Grüna vor 100 Jahren
Im Jahr 1910 hatte Grüna 5913 Einwohner. Die Einwohnerzahl war nach jahrzehntelangem Anstieg erstmals um etwa 100 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Als Ursachen wurden in der Chronik der Wegzug von Bürgern und der „auffällige Rückgang von Geburten" aufgeführt. Kamen vor der Jahrhundertwende in Grüna meist über 200 Kinder im Jahr zur Welt, so waren es dieses Jahr nur 171. Als besonders herausgestellt wurde der mit über 15% hohe Anteil von unehelichen Kindern. Der Chronist schreibt dazu „wenn doch in dieser Hinsicht endlich eine Besserung eintreten wollte!" Die Zahl der Geburten im Jahr war meist doppelt so hoch wie die Zahl der Gestorbenen.
Im Ort gab es 1418 Haushaltungen und 482 Wohnhäuser. Trotz reger Bautätigkeit wurden im Jahre 1910 nur sieben neue Wohnhäuser errichtet. Die Haushaltung (Familie) umfasste durchschnittlich 4-5 Personen. Oft war jedoch die Familie viel größer. (Bei der Berechnung des Durchschnitts wurde die hohe Zahl an unverheirateten Einzelbürgern mit einbezogen). Die Menschen lebten im Vergleich zu heute in wesentlich beengteren Wohnverhältnissen.
Grüna hatte seit 1894 eine eigene Kirche. Pfarrer war seit Anfang Herr Bernhard Dinter. In den Jahren 1909/10 mussten größere Reparaturen und teure Umbauten an der Orgel und am Glockenstuhl vorgenommen werden. Die Orgel wurde mit neuen Windladen für die Manuale und einem neuen Spieltisch ausgestattet Die Glockenaufhängung musste nach einem neuen System erfolgen, da „das Läuten soviel Kraft erfordere und damit eine bedeutende Erschütterung des Glockenstuhls und des ganzen Kirchturmes verbunden sei." Bereits 1904 versagte die Orgel infolge großer Trockenheit des Sommers ihren Dienst.
Ab etwa 1900 wurden im Rathaus, das vorher eine Schule für Obergrüna war, Gemeinderatssitzungen abgehalten. Zum Gemeinderat gehörten 20 Mitglieder. Gemeindevorstand war Herr Friedrich Börner. Der Gemeinderat beschäftigte sich u.a. mit dem Erlass verschiedener Ortsgesetze. Durch die Gemeinde erfolgten 1910 eine Verbreiterung und Beschleusung der Pleißaer und Rabensteiner Straße. Es wurden erste Vorbereitungsarbeiten (u.a. stellenweise Begradigung und Be-schleusung) zum späteren Ausbau und der Verbreiterung der Chemnitzer Straße durchgeführt. Der ganze Südhang des Totensteins sollte einmal mit Straßen und Häusern bebaut werden. Der erste Weltkrieg verhinderte dies.
Das elektrische Lichtnetz im Ort wurde bis auf die Feldstraße ausgedehnt und der Preis auf 45 Pfg./kWh herabgesetzt. Weitere Straßenlampen wurden im unteren Ortsteil bis zur oberen Eisenbahnlinie aufgestellt.
In der seit 1893 bestehenden Zentralschule für die damaligen Ortsteile Ober- und Untergrüna wurden 1034 Schüler von etwa 12 Lehrern (einschließlich Hilfslehrer) unterrichtet. Erhöht wurde die Zahl der Klassen von 5 auf 6. Der Chronist berichtet, dass „das Betragen der Kinder noch viel zu wünschen übrig läßt." Wiederholt wurden Kinder zur Anzeige gebracht, die sich flegelhaft gegen Erwachsene betrugen oder Eigentumsvergehen zu schulden kommen ließen. Die Eltern wurden gebeten, „ihre Erziehungspflichten recht ernst zu nehmen und ihre Kinder streng zu überwachen."
1910 wurde der Schulgarten durch Ankauf eines zwischen der Schule und Kirche gelegenen, 3600m großen Grundstücks vergrößert. Es wurde auch eine Schulbücherei mit ca. 300 Bänden geschaffen Die Ausleihe kostete 1 Pfennig pro Woche!
Es gab über 220 Gewerbe. Die größte Zahl davon waren kleinere und größere Handschuh-, Strickerei-, Strumpf- und Trikotagenbetriebe. Neu errichtet wurden fünf Fabrikgebäude, u.a. von den Firmen Gebr. Abel, Robert Müller, Franz Langer, Albin Nitzsche und Seim, die ihre bisherigen Produktionsstätten wesentlich vergrößerten. Im Jahr 1910 wurden 40 Bauerlaubnisse für die Errichtung neuer Gebäude gestellt. Es gab 44 Gewerbeanmeldungen im Ort.
In diesem Jahre wurden die beiden Bahnstationen in Ort umbenannt. Der Haltepunkt an der Hauptlinie Chemnitz- Zwickau erhielt die Bezeichnung „Grüna (Sachsen) Hpt" und der bisherige Bahnhof Obergrüna die Bezeichnung „Grüna (Sachsen) ob. Bf." Die Bahnstation der unteren Strecke wurde in den nachfolgenden Jahren auf Drängen des hiesigen Ortsvereins von der Generaldirektion mit selbständiger Verwaltung ausgestattet. Auch die Überdachung des Bahnsteiges wurde verlängert.
Im Ort existierten etwa 40 Vereine. Zu den ältesten gehörten u. a. der Männergesangverein und die Scheibenschützengesellschaft, die beide ihr 60jähriges Jubiläum in diesem Jahr begingen. Neugegründet wurde der Spar- und Bauverein. (hierzu erfolgt später ein gesonderter Beitrag)
Durch den hiesigen Ortsverein wurde erstmals eine Ehrung des früheren Oberförsters Baumgarten angeregt. Für den „auf dem Gebiet der Luftschiffahrt hervorragend tätigen Erfinder" - so die damalige Einschätzung - sollte ursprünglich ein Denkmal errichtet werden. Zu diesem Denkmal kam es nicht, anstelle dessen wurde im Jahr darauf eine neu angelegte Straße im Ort nach ihm benannt - die heutige Baumgartenstraße.
Weitere Fakten zum Jahr 1910:
• Über die hiesige Ortskrankenkasse wurden ab diesem Jahr zwei Ärzte für Grüna angestellt.
• Es erfolgten die Anlegung eines Notstandsfonds sowie Erhöhung des Fonds für Lungenkranke.
• Weiterhin gab es mehrere Stiftungen, deren Zinsen jährlich an arme Bürger verteilt wurden.
• Von der Gemeinde mußten 17 Armutszeugnisse an Bürger ausgestellt werden.
• 162 Fortbildungsschüler lernten in fünf Berufsklassen (Kaufleute, Metallarbeiter, 2x Wirker, gemischte Berufe)
• Es gab vier Handwerksinnungen: Fleischer, Bäcker, Tischler, Schuhmacher
Im Ort gab es 1418 Haushaltungen und 482 Wohnhäuser. Trotz reger Bautätigkeit wurden im Jahre 1910 nur sieben neue Wohnhäuser errichtet. Die Haushaltung (Familie) umfasste durchschnittlich 4-5 Personen. Oft war jedoch die Familie viel größer. (Bei der Berechnung des Durchschnitts wurde die hohe Zahl an unverheirateten Einzelbürgern mit einbezogen). Die Menschen lebten im Vergleich zu heute in wesentlich beengteren Wohnverhältnissen.
Grüna hatte seit 1894 eine eigene Kirche. Pfarrer war seit Anfang Herr Bernhard Dinter. In den Jahren 1909/10 mussten größere Reparaturen und teure Umbauten an der Orgel und am Glockenstuhl vorgenommen werden. Die Orgel wurde mit neuen Windladen für die Manuale und einem neuen Spieltisch ausgestattet Die Glockenaufhängung musste nach einem neuen System erfolgen, da „das Läuten soviel Kraft erfordere und damit eine bedeutende Erschütterung des Glockenstuhls und des ganzen Kirchturmes verbunden sei." Bereits 1904 versagte die Orgel infolge großer Trockenheit des Sommers ihren Dienst.
Ab etwa 1900 wurden im Rathaus, das vorher eine Schule für Obergrüna war, Gemeinderatssitzungen abgehalten. Zum Gemeinderat gehörten 20 Mitglieder. Gemeindevorstand war Herr Friedrich Börner. Der Gemeinderat beschäftigte sich u.a. mit dem Erlass verschiedener Ortsgesetze. Durch die Gemeinde erfolgten 1910 eine Verbreiterung und Beschleusung der Pleißaer und Rabensteiner Straße. Es wurden erste Vorbereitungsarbeiten (u.a. stellenweise Begradigung und Be-schleusung) zum späteren Ausbau und der Verbreiterung der Chemnitzer Straße durchgeführt. Der ganze Südhang des Totensteins sollte einmal mit Straßen und Häusern bebaut werden. Der erste Weltkrieg verhinderte dies.
Das elektrische Lichtnetz im Ort wurde bis auf die Feldstraße ausgedehnt und der Preis auf 45 Pfg./kWh herabgesetzt. Weitere Straßenlampen wurden im unteren Ortsteil bis zur oberen Eisenbahnlinie aufgestellt.
In der seit 1893 bestehenden Zentralschule für die damaligen Ortsteile Ober- und Untergrüna wurden 1034 Schüler von etwa 12 Lehrern (einschließlich Hilfslehrer) unterrichtet. Erhöht wurde die Zahl der Klassen von 5 auf 6. Der Chronist berichtet, dass „das Betragen der Kinder noch viel zu wünschen übrig läßt." Wiederholt wurden Kinder zur Anzeige gebracht, die sich flegelhaft gegen Erwachsene betrugen oder Eigentumsvergehen zu schulden kommen ließen. Die Eltern wurden gebeten, „ihre Erziehungspflichten recht ernst zu nehmen und ihre Kinder streng zu überwachen."
1910 wurde der Schulgarten durch Ankauf eines zwischen der Schule und Kirche gelegenen, 3600m großen Grundstücks vergrößert. Es wurde auch eine Schulbücherei mit ca. 300 Bänden geschaffen Die Ausleihe kostete 1 Pfennig pro Woche!
Es gab über 220 Gewerbe. Die größte Zahl davon waren kleinere und größere Handschuh-, Strickerei-, Strumpf- und Trikotagenbetriebe. Neu errichtet wurden fünf Fabrikgebäude, u.a. von den Firmen Gebr. Abel, Robert Müller, Franz Langer, Albin Nitzsche und Seim, die ihre bisherigen Produktionsstätten wesentlich vergrößerten. Im Jahr 1910 wurden 40 Bauerlaubnisse für die Errichtung neuer Gebäude gestellt. Es gab 44 Gewerbeanmeldungen im Ort.
In diesem Jahre wurden die beiden Bahnstationen in Ort umbenannt. Der Haltepunkt an der Hauptlinie Chemnitz- Zwickau erhielt die Bezeichnung „Grüna (Sachsen) Hpt" und der bisherige Bahnhof Obergrüna die Bezeichnung „Grüna (Sachsen) ob. Bf." Die Bahnstation der unteren Strecke wurde in den nachfolgenden Jahren auf Drängen des hiesigen Ortsvereins von der Generaldirektion mit selbständiger Verwaltung ausgestattet. Auch die Überdachung des Bahnsteiges wurde verlängert.
Im Ort existierten etwa 40 Vereine. Zu den ältesten gehörten u. a. der Männergesangverein und die Scheibenschützengesellschaft, die beide ihr 60jähriges Jubiläum in diesem Jahr begingen. Neugegründet wurde der Spar- und Bauverein. (hierzu erfolgt später ein gesonderter Beitrag)
Durch den hiesigen Ortsverein wurde erstmals eine Ehrung des früheren Oberförsters Baumgarten angeregt. Für den „auf dem Gebiet der Luftschiffahrt hervorragend tätigen Erfinder" - so die damalige Einschätzung - sollte ursprünglich ein Denkmal errichtet werden. Zu diesem Denkmal kam es nicht, anstelle dessen wurde im Jahr darauf eine neu angelegte Straße im Ort nach ihm benannt - die heutige Baumgartenstraße.
Weitere Fakten zum Jahr 1910:
• Über die hiesige Ortskrankenkasse wurden ab diesem Jahr zwei Ärzte für Grüna angestellt.
• Es erfolgten die Anlegung eines Notstandsfonds sowie Erhöhung des Fonds für Lungenkranke.
• Weiterhin gab es mehrere Stiftungen, deren Zinsen jährlich an arme Bürger verteilt wurden.
• Von der Gemeinde mußten 17 Armutszeugnisse an Bürger ausgestellt werden.
• 162 Fortbildungsschüler lernten in fünf Berufsklassen (Kaufleute, Metallarbeiter, 2x Wirker, gemischte Berufe)
• Es gab vier Handwerksinnungen: Fleischer, Bäcker, Tischler, Schuhmacher
Veranstaltungen
im September 2010
| 12.09.2010 | - | Chemnitzer Kabarett |
| 17.09.2010 | - | Dia-Vortrag |
| 20.09.2010 | - | Ortschaftsratssitzung |
| 25.09.2010 | - | Baumgartengedenktag |
| 27.09.2010 | - | Verkehrsteilnehmer Schulung |
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