An alle Fraktionen des Chemnitzer Stadtrates

An alle Fraktionen des Chemnitzer Stadtrats

Infolge der öffentlichen Bekanntmachung zur Implementierung eines Wohnprojektes für chronisch kranke mehrfachbeeinträchtigte Abhängige im Grünaer Hof wendeten sich Eltern mit zahlreichen Fragen an den Eltern-und an den Ortschaftsrat. Zunächst ist es begrüßenswert, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der sozial schwache und beeinträchtigte Menschen aufgefangen werden. Solidarisch füreinander einzustehen, ist für uns selbstverständlich. Das Orts-und Vereinsleben spiegelt dieses ehrenamtliche Engagementwider.

Bezugnehmend auf die Zielgruppe sehen wir zunächst die vielgestaltigen Bedarfe, die diese mitbringen. Sie möchten einen Neustart in ein geregeltes Leben wagen, sehnen sich laut Angaben des Betreibers nach einer eigenen Wohnung, einer Arbeit und einem Partner. Abstinenz von Suchtmitteln gehört dazu. Sie wünschen sich eine Rückkehr in den strukturierten Alltag.

Nimmt man sich die Bedarfe vor, fällt auf, dass neben einer sicheren Unterbringung zugleich Beschäftigungs-und Betätigungsfelder bedeutsam sind. Da der Grünaer Hof über kein nennenswertes Außengelände verfügt, sehen wir die Standortwahl sehr kritisch. Suchttherapeutische Wohnprojekte halten dieses zumeist vor. Sie bieten Garten-, Obst und Gemüseanbau an, haben Werkstätten oder nutzen die Tierhaltung als Medium der Resozialisation. All diese Voraussetzungen sind nicht vorhanden. Die fachliche Umsetzung einer gezielten Reintegration scheint nicht gegeben.

Bei dem Standort handelt es sich um die Ortsmitte, fußläufig ist in einer Minute der Supermarkt zu erreichen, sodass das Suchtverhalten ohne Probleme aufrechterhalten werden kann. Wie soll kontrollierter Konsum gelebt werden, wenn der Zugang so niederschwellig gelegt wird?

Der Grünaer Hof befindet sich zudem an einem Schulweg. Kinder der 60 m entfernten Grundschule absolvieren durch die schmale Schulgasse hinweg ihren Schulweg. Ein Großteil der Kinder auch allein. Oberhalb der Schulgasse befindet sich die einzige im Umkreis befindliche Fußgängerampel, sodass die Kinder unweigerlich vor dem Hauptein- und -ausgang des Grünaer Hofs vorbeilaufen müssen. Sie werden demnach mit den Bewohnern in Berührung kommen. Die Eltern befürchten übergriffiges Verhalten sowie rückschrittige Entwicklungen beim Aufbau der Selbstständigkeit ihrer Kinder. Die Schule befürchtet psychische Folgen, möglicherweise in Form vonSchulangst.

Um diesen Ängsten zu begegnen wurden den Grünaern Schulwegbegleiter zugesichert. Über ein Freiwilligenzentrum will man erst den Versuch unternehmeneinen Schulwegbegleiter anzuwerben. Sollte dies nicht zum gewünschten Erfolg führen, wird eine Ausschreibung folgen. Tatsächlich hat die Grünaer Grundschule mit ähnlichem Anliegen, nämlich der Schulwegbegleitung für die Migrationskinder bei der Busan-und -abreise sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Hier wurde von der Schule sehr viel abverlangt und nicht selten wurde sie allein gelassen. Gleiches gilt für den Fußweg auf der August-Bebel-Straße, für den der Elternrat und die Schule schon seit vielen Jahren kämpfen. Die genannten Beispiele lassen erkennen, dass der Elternrat die dauerhafte Umsetzung des Vorhabens bzw. die generelle Verbesserung der Schulwegsicherheit anzweifelt.

Ebenso das konstante Vorhalten von drei Vollzeitäquivalenten auf 30 Bewohner mit multiplen Problemlagen ist fachlich kritisch zu beurteilen. Die Anzahl der Bewohner sehen wir des Weiteren kritisch. Wohnprojekte mit einer Anzahl von vier bis sechs Bewohnern lassen eine verbesserte Integration zu.

Bei der Zielgruppekommt es laut dem Träger regelmäßig zuinternenKonflikten. Als Beispiel wurden Ausschreitungen genannt, wenn ein Bewohner aufgrund von Verstößen gegen die Hausordnung das Objekt verlassen muss. Hierbei bedarf es polizeiliche Unterstützung. Dass ein in den Nachtstunden installierter Wachschutz notwendig ist, untermauert diese Befürchtungen. Übergriffiges Verhalten gegenüber dem Personal inbegriffen. Das Sicherheitskonzept als auch das intransparente Vorgehen bei der konzeptionellen Ausgestaltung überzeugen hier nicht.

Bei Nachfragen zu Möglichkeiten der Integration der Bewohner wird auf den Ort selbst verwiesen, der dies im Rahmen seiner Kapazitäten zu leisten habe. Der Eltern-und der Ortschaftsrat empfinden diese Aussagen und das Vorgehen in der Kommunikation als fragwürdig. Diese Vorgehensweise lässt nichts Gutes in einer zukünftigen Zusammenarbeit erwarten. Wir sprechen uns für eine solche Einrichtung in lichter Bebauung mit entsprechend vorhandenem Außengelände und angemessenen Beschäftigungsangeboten in Ortsrandlage aus. Eine gute Verkehrsanbindung sollte bestehen. Zudem ist eine Security über 24 Stunden vorzuhalten, die nach Bedarf auch bei Konflikten innerhalb des Ortes zum Einsatz kommt. Denn wir sehen die Distanz zum derzeit für uns zuständigen Polizeirevier bei kleineren Ausschreitungen im Ort als nicht verhältnismäßig. Wir erwarten eine geeignete kommunale Unterstützung in der Ausgestaltung der Integration der Bewohner. Wir wenden uns an Sie und verweisen auf die Veranstaltung heute Abend 19.30 Uhr im KIGin Grüna.

Wir plädieren für eine Überprüfung des Vorgehens und die Geeignetheit des Standorts. Wir sehen die Objektwahl des Sozialamtes und des Trägers nicht als geeignet an. Als kommunale Initiatoren tragen Sie Verantwortung für eine gezielte Standortwahl und damit einhergehend für ein gutes fachliches Gelingen in der Umsetzung des Vorhabens. Nun bitten wir darum, dieser Verantwortung gerecht zu werden.


Mit freundlichen Grüßen,

Der Eltern- und Ortschaftsrat in Grüna
Frank Huster(Elternratsvorsitzender)
Denise Zigann(stellv. Elternratsvorsitzende)
Lutz Neubert (Ortsvorsteher)
Richard Aurich (stellv. Ortsvorsteher)

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