Die Diskussion um Für und Wider zum Holzkraftwerk geht weiter ….

Die Diskussion um Für und Wider zum Holzkraftwerk geht weiter ….

Von der Braunkohle zum Holzhackschnitzel

Der Ausstieg aus der Braunkohle zur Energieerzeugung ist beschlossene Sache. Alle Gründe zusammengefasst - NACHHALTIGKEIT.

Chemnitz hat dafür eigene Klimaziele beschlossen. Die Art der Energieerzeugung durch das kommunale Unternehmen "eins" – speziell für die Fernwärme – spielt dabei eine entscheidende Rolle. Deshalb hat der Aufsichtsrat langfristig den Braunkohlenausstieg bis 2029 beschlossen. Es dürfte Jedem klar sein, das geht nicht von heute auf morgen. Die Planung, Errichtung und Inbetriebnahme neuer Anlagen erfordern Zeit und Geld und die nötigen Kapazitäten. Zumal immer bedacht werden muss, dass die "eins" über die Holding VVHC die Verluste des Nahverkehrsunternehmen CVAG bisher vollständig abdecken konnte.

Wenn jetzt von Bündnis90/Grüne verlangt wird, den Ausstieg schon 2025 zu vollziehen, ist das bei der erforderlichen Komplexität völlig unrealistisch.

Um das Ziel 2029 zu erreichen, hat der Aufsichtsrat von "eins" bereits 2017 einstimmig ein Maßnahmepaket, darunter den Bau eines Holzhackschnitzelkraftwerkes im Chemnitzer Westen, beschlossen.

Was spricht für den Bau einer derartigen Anlage? Vier Faktoren - klimaökologische, wirtschaftliche, strategische und rechtliche - sind bestimmend.

1. Klimaökologie

Die Verwendung von Rest-, Bruch- und Schadholz ist zu 100% CO2-neutral. Damit verbessert sich die Klimabilanz der Stadt deutlich. Den Vorteil hat die gesamt Stadtbevölkerung, unabhängig vom Energiebezug.

Der Standort im Gewerbegebiet Neefestraße unmittelbar an der Autobahn bringt eben durch die Anlieferung per LKW keine Mehrbelastung für die Wohngebiete.

Unter Beachtung der konkreten Bedingungen werden Emissionswerte genehmigungsrechtlich festgelegt. Dazu kommt, dass die Abgastemperatur im Vergleich zum Gaskraftwerk deutlich niedriger ist und damit Einfluss auf die mikroklimatische Situation (Frischluftschneise) durch die Höhe der Abgasanlage begrenzt werden kann.

2. Wirtschaftlichkeit

Kosten spielen sowohl für den Betreiber als auch für den Verbraucher eine entscheidende Rolle. So sind die Gestehungskosten bei Holzhackschnitzel mit 25 - 32 €/MWh im Vergleich zu Erdgas 65 - 70 €/MWh deutlich günstiger. Die höheren Investitionskosten für ein Holzhackschnitzel-Kraftwerk werden sich so in kürzerer Zeit amortisieren.

Durch die örtliche Nähe zum Heckert-Gebiet entfällt ein aufwendiger Transport mit enormen Verlusten aus dem Chemnitzer Süden und es kann ein Teil der bestehenden und sanierungsnotwendigen Fernwärmetrasse stillgelegt und rückgebaut werden.

3. Strategie

Holzhackschnitzel sind ein regionaler Rohstoff, der, auch durch den Klimawandel bedingt, beständig und vermehrt anfällt. Was besonders wichtig ist, es handelt sich nicht um Nutzholz, sondern um Rest-, Bruch- und Schadholz. Holzhackschnitzel unterliegen eben nur saisonalen bzw. ereignisspezifischen Schwankungen, die durch entsprechende Bevorratung ausgeglichen werden können.

Auch reduziert sich die Abhängigkeit vom Weltmarkt im Vergleich zu Erdgas und den verbundenen Preisschwankungen.

4. Recht

Absolute Grenzwerte werden durch die 4. Bundesimmissionsschutzverordnung in Verbindung mit der Technischen Anordnung Luft festgelegt. Im Genehmigungsverfahren und dem damit verbundenen, rechtlich bindenden Bescheid zur Errichtung und Betreibung der Anlage werden abweichend von den Mindestwerten die konkreten lagespezifischen Werte festgelegt.

Für die Umsetzung des Vorhabens spielt natürlich die Stadtortwahl eine bedeutsame Rolle. Welche Anforderungen an den Standtort sind zu stellen?

  • Kein weiterer Flächenverbrauch und somit Einordnung in ein bestehendes Gewerbegebiet.

  • Keine Transporte durch Wohngebiete und quer durch die Stadt.

  • Bau und Betrieb muss nach den technischen und technologischen Verfahren und geringster Belastung für die Bevölkerung erfolgen.

Kaum etwas spricht gegen den jetzt gewählten Standort.

Welche Erfahrungen haben wir in und um Chemnitz mit Anlagen gemacht?

  • Trompetter-Guss: Auch hier waren anfangs die Ängste groß. Heute spricht von Belastungen kaum noch jemand. Der technische Standard hat eine Vielzahl der Skeptiker überzeugt.

  • Ersatzbrennstoffkraftwerk am Weißen Weg: Auch hier hat eine Bürgerinitiative zunächst große Skepsis artikuliert. Wir waren mit Vertretern der BI in Weißenfels und haben uns den Betrieb einer ähnlichen Anlage vor Ort angesehen. Dabei konnten alle Zweifel ausgeräumt werden. Dass die Anlage nicht gebaut wurde, hat drei Gründe: notwendige Abholzung eines Waldstückes, Anlieferung weiterer EBS teilweise durch die Stadt und notwendiger Bau einer neuen Fernwärmeanschlusstrasse.

  • In Zwickau ist seit geraumer Zeit ein Holzhackschnitzelkraftwerk komplikationslos und kritikfrei in Betrieb.

Abschließend: Der Weg aus der Braunkohle ist tatsächlich alternativlos. Wie alle neuen Wege ist er nicht konfliktfrei. Gelingen wird der Umstieg nur als gemeinsamer Weg von Erzeugern und Verbrauchern. Hier ist vor allem die "eins" in der Kommunikation gefordert.

Hubert Gintschel

Stadtrat DIE LINKE/Die PARTEI

Diplom-Gesellschaftswissenschaftler

Diplom-Historiker

Dieser Artikel stammt aus dem Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach Oktober 2020

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