Grüna im Juni 1945

Grüna in den ersten Tagen und Wochen des Juni 1945 nach der Besetzung durch die sowjetischen Truppen

von Christoph Ehrhardt

Der Beitrag setzt die Serie über Grüna im Jahre 1945 fort, begonnen mit dem Heft 5/2020. Im Heft 1/2021 des Ortschaftanzeigers Grüna/Mittelbach wurde über die Besetzung unseres Ortes Grüna durch US-amerikanische Truppen vom 16. April bis 13. Juni 1945 am Ende des 2.Weltkrieges berichtet. Nachfolgend wird die Berichterstattung fortgesetzt, insbesondere das weitere Geschehen in den Junitagen 1945 nach dem Abzug der US-amerikanischen Besatzungsmacht aus Grüna und der erneuten Besetzung durch sowjetische Truppen geschildert. Über die Besetzung unseres Ortes durch die sowjetische Besatzungsmacht wurde bereits in der Vergangenheit (Heft 1/2016) berichtet. Zwischenzeitlich konnten durch umfangreiche Recherchen im Staatsarchiv Chemnitz neue ergänzende Informationen gewonnen werden, die eine Neufassung des Beitrages zweckmäßig erscheinen lassen. Aufgrund der Fülle des Geschehens kann jedoch nur über die erste Zeit der Besetzung im Monat Juni 1945 berichtet werden.

Wörtlich übernommene Texte sind in Schrägschrift sowie in An- und Ausführungszeichen gesetzt, ebenso Begriffe und Formulierungen, die aus der damaligen Zeit stammen. So verwendete man in den Dokumenten meistens den Begriff „russisch“ anstelle „sowjetisch“.

Am 13. Juni 1945 verließ die US-amerikanische Besatzungsmacht unser Gebiet westlich von Chemnitz. Kurz darauf, möglicherweise nur einen Tag, wurden Grüna und weitere Gemeinden von sowjetischen Truppen am 14. bzw. 15. Juni 1945 besetzt. Die Truppenverbände kamen aus dem Raum Chemnitz, in welchem sie bereits kurz nach dem 8. Mai 1945 eingetroffen waren. Im unteren Ortsteil unseres Ortes besetzten sie das Betriebsgelände der damaligen Handschuhfabrik Gebr. Abel an der Chemnitzer Straße 13, wo auch vorher die US-amerikanischen Truppen waren. Sie beschlagnahmten dort bei ihrer Ankunft sofort das noch vorhandene große Marinebekleidungslager. Welche weiteren Gebäude im unteren Ortsteil anfangs noch belegt wurden, ist nicht bekannt.


Roland Nestler, ein Grünaer Architekt und Bauingenieur, erlebte die Ankunft russischer Truppen im unteren Ortsteil an der Aktienstraße. Er berichtete: „...Zwei Tage später stand plötzlich ein alter Holzwagen im Hof, und ein klappriger dünner Gaul graste auf der Wiese im Garten. Dazu drei junge Kerle in Uniform. Zwei Soldaten und möglicherweise ein Unteroffizier. Wir und die Nachbarn - es waren alles alte Leute – bestaunten die Neuen. Alle waren froh, dass der Krieg zu Ende war. Irgendwer hatte einen großen Topf Tee gekocht. Die Russen besaßen Kartoffeln und die Frauen mussten für alle Bratkartoffeln machen. Der Unteroffizier schlief dann bei mir im Zimmer. Die zwei Soldaten auf dem Holzwagen im Stroh. Nach zwei Tagen waren sie wieder weg.... In meinem Schrank lag vorher noch meine Marinemütze von der Hitlerjugend mit der goldenen Aufschrift Segelschulschiff Gorch Fock. Dieses gut gehütete Souvenir war ebenfalls weg - eine Kriegsbeute der Russen“.

Auch im oberen Ortsteil erschienen erste Truppen. Von der Totenstein- und Wasserwerkstraße im Wald kommend belegten sie an der unteren Bergstraße erste Häuser. Danach wurden weitere in der Nähe liegende Gebäude besetzt, jedoch längst nicht so viele wie bei den amerikanischen Truppen.

Die sowjetischen Truppen, damals meist als „Rote Armee“ oder als „russische“ Truppen bezeichnet, kamen in Grüna mit Pferdewagen oder zu Fuß an. Sie waren nicht so gut ausgerüstet bzw. motorisiert wie vorher die amerikanischen und besaßen weniger. Im Gegensatz zu den amerikanischen Truppen verlangten sie, mit Lebensmittel und anderen Gütern versorgt zu werden. Die sowjetische Besatzungsmacht versuchte ihre Truppen mehr in größeren Gebäuden unterzubringen, die aber meist durch Flüchtlinge und andere Bürger belegt waren. Für die Übernachtung mussten zeitweise größere Säle und Räume, vor allem in Betrieben geräumt werden. Im Ort gab es keinen leeren Wohnraum mehr. Einzelne Truppen mit Pferden wurden in Bauernhöfen untergebracht.

In der Bevölkerung gab es wenig Zutrauen und Akzeptanz zur sowjetischen Besatzungsmacht. Es herrschten Unsicherheit und Angst vor den sowjetischen Truppen, obwohl den Einwohnern vorher in einem Aufruf der Roten Armee mitgeteilt wurde, dass ihnen keine Gefahr drohe. Viele Menschen hatten noch die schrecklichen Erlebnisse in Erinnerung, über die Flüchtlinge aus den vorher östlichen deutschen Gebieten bei der Besetzung ihrer Heimat berichteten. Kurz vor Eintreffen der sowjetischen Truppen hatten deshalb über 250 Bürger, meist am 13.6.1945 mit dem Abzug der amerikanischen Truppen unsere Gemeinde in Richtung der westlichen Besatzungszonen verlassen. Unter den Ausreisenden waren vermutlich auch einige vorher aktive NSDAP-Genossen, die sich einer Entnazifizierung und größeren Bestrafung durch die Sowjetmacht entziehen wollten. Die Menschen wollten zwar vom Faschismus nichts mehr wissen, trotzdem wurden die russischen Truppen von der Mehrzahl der Bürger nicht als „Befreier vom Faschismus“ empfangen. Die Einwohner und Flüchtlinge im Ort waren weiterhin verunsichert und wussten nicht, was mit der erneuten Besetzung auf sie zukommen würde.

So wurden nach dem Abzug der amerikanischen Truppen bis Anfang Juli 1945 ganz Sachsen und weitere Provinzen Deutschlands von den russischen Truppen besetzt. Unser Land, vom Erzgebirge bis zur Ostsee, kam unter der Hoheit der sowjetischen Militäradministration (SMAD) und wurde sowjetische Besatzungszone.

Zur Kontrolle und Verwaltung der sowjetisch besetzten Gebiete war mit dem Befehl Nr.1 am 9. Juni 1945 die SMAD gebildet und eingesetzt worden. Oberster Befehlshaber für das gesamte Okkupationsgebiet in Deutschland war Marschall Shukow. Die SMAD übte die uneingeschränkte Regierungsgewalt aus, verbunden mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sowie der Regelung lebenswichtiger Aufgaben. Die Machtübernahme wurde der deutschen Bevölkerung mit diesem ersten Befehl bekannt gegeben.

1. Die sowjetischen Besatzungstruppen im Ort

In Grüna waren nach der Besetzung Mitte Juni 1945 nur wenige sowjetische Truppeneinheiten stationiert. Viele Truppen hielten sich im unteren Ortsteil an der Chemnitzer Straße von der Tankstelle und Straßenbrücke über die untere Eisenbahn bis zur Kreuzung Mittelbacher Straße und dem Gasthof Fleischer, heute Kulturhaus (KIG), auf. Die meisten Soldaten waren im Gelände der damaligen Handschuhfabrik Gebr. Abel, jetzt freie Wiese. Weitere Besatzungstruppen hatte man vereinzelt in Häusern an der Röhrsdorfer Straße sowie im oberen Ortsteil an der unteren und oberen Bergstraße untergebracht. Eine spezielle Ortskommandantur gab es anfangs in unserer Gemeinde nicht. In Limbach, an der Bahnhofstr.11, hatte man eine Kommandantur eingerichtet, die über die neu besetzten Orte einschließlich Grüna, meist westlich und nordwestlich von Chemnitz, verfügte und diese kontrollierte. Die Orte gehörten zu dem vorher von der amerikanischen Besatzungsmacht gebildeten Landkreis Limbach, damals auch mit „Limbacher Kommandobezirk“ bezeichnet, den die sowjetischen Truppen bei ihrer Besetzung übernommen hatten. Die Bildung einer Art Kreis- bzw. Bezirkskommandantur war in der Anfangszeit kennzeichnend für die Verwaltung der neu besetzten Gebiete durch die sowjetische Besatzungsmacht. Eine weitere sowjetische Gebietskommandantur gab es auch in Siegmar, welche nach dem Abzug der amerikanischen Truppen noch eine Zeit lang ebenfalls über unsere Gemeinde verfügte. Zwischen beiden Kommandanturen bestand vermutlich keine klare Abgrenzung. So musste der Bürgermeister unseres Ortes nach Limbach wie auch nach Siegmar Bericht erstatten. Eine übergeordnete sowjetische Militärverwaltung in Zivilangelegenheiten für das gesamte Land Sachsen gab es noch nicht.

Die sowjetischen Truppen traten in unserem Ort weniger auffällig auf als die amerikanische Besatzungsmacht. Sie marschierten meist in Kolonnen auf den Straßen. In Erinnerung ist dem Autor (damals 10 Jahre alt) noch, wie die Truppen geschlossen in das noch bestehende Kino marschierten, das sich in der Nähe der unteren Eisenbahnstation befand, sowie auf den etwa 100 Meter westwärts oberhalb des heutigen Kulturhauses bestehenden Volkspark, der als Truppenübungsplatz diente. Schießübungen wurden vermutlich am alten Schießstand und -gelände an der Mittelbacher Straße sowie im Rabensteiner Wald, unterhalb des Gußgrundes durchgeführt.

Die russischen Besatzungstruppen selbst waren weniger frei als die amerikanischen Besatzer und wurden strenger gehalten. Vorkommnisse wurden stärker bestraft als bei den amerikanischen Truppen. In den ersten Tagen jedoch gewährte man ihnen mehr Freiheiten, die später zunehmend eingeschränkt wurden. Im Gegensatz zu den amerikanischen Truppen mussten die sowjetischen Truppen auch mit Lebensmittel und anderen Dingen versorgt werden. Die Versorgung der Truppen durfte jedoch nur über höhere sowjetische Dienststellen erfolgen.

Die in Häusern einquartierten Soldaten verhielten sich so, dass bis auf einzelne Ausnahmen wenige Vorfälle vorkamen. Die russischen Besatzer kamen meist aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Man hörte – nach eigenen Erinnerungen des Autors – beim Betreten größerer gepflegter Häuser und Gebäude manchmal die Äußerung „Du Kapitalist?“ Eine engere Verbindung von deutschen Bürgern mit russischen Soldaten kam kaum vor und war auch von den oberen sowjetischen Behörden nicht gewünscht.

Das Geschehen im Ort:

Während der ersten Tage nach der Besetzung wie auch später ist sehr wenig bekannt, ebenso über die ersten sowjetischen Truppenverbände. Über vieles durfte nicht berichtet werden. Es können hier nur einige Beispiele im Ort und der nächsten Umgebung aufgeführt werden. Erste Beschlagnahmen von „Beutegut“ erfolgten schon bei der Besetzung - in Grüna war es das Marinebekleidungslager in der Handschuhfabrik Gebr. Abel, in Rabenstein eine größere Holzhandlung an der Straße von Siegmar nach Limbach.

Massenverhaftungen, Verurteilungen und Erschießungen in größerem Umfange wie in verschiedenen anderen Gebieten kamen in der Anfangszeit nicht vor. Es wurden aber in den folgenden Tagen vereinzelt Bürger nachts aus der Wohnung geholt, die dann auf nimmer Wiedersehen verschwanden. Sie waren möglicherweise von anderen Bürgern der russischen Besatzungsmacht gemeldet wurden. Ein Bürger, wohnhaft im oberen Ortsteil Grüna und ganz in der Nähe des Autors, war einmal Aufseher eines Gefangenenlagers gewesen. Genaue Angaben und Gründe erfuhr man nicht. Später wurden auch Jugendliche aus Grüna im Alter von etwa 16-18 Jahren von der russischen Geheimpolizei (GPU) festgenommen und für mehrere Jahre z.T. nach Sibirien in Haft gebracht. Einen triftigen Grund fand man nicht. Ausschreitungen gegen deutsche Bürger und Vergewaltigungen an deutschen Frauen kamen in der Gemeinde nicht vor. Einzelne Frauen hielten sich anfangs versteckt, um nicht von russischen Besatzern belästigt zu werden. Trotzdem machte ein russischer Offizier einer geisteskranken Frau ein Kind. Größere Plünderungen im Ort durch russische Soldaten gab es nicht, wohl aber Diebstähle und willkürliche Beschlagnahmen von „Beutegut“ - letztere Aktionen wurden von den sowjetischen Truppen oft mit Reparationsleistungen für die von der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg in der Sowjetunion angerichteten Schäden begründet.

Die ersten sowjetischen Truppenverbände, insbesondere die Gebietskommandanten bis hin zu den höheren Offizieren hatten am Anfang eine nahezu unbeschränkte Befehlsgewalt. Außer den ersten drei grundlegenden Befehlen (nachfolgend aufgeführt) und einigen wenigen formalen Anweisungen über Ausgehverbot und Einführung der neuen sowjetischen Uhrzeit waren von der SMAD in Berlin für das neue Besatzungsgebiet keine weiteren Anordnungen erlassen worden. Dies führte dazu, dass noch viel Willkür unter den Kommandanten und Offizieren herrschte.

In der Anfangszeit kam es häufig zu spontanen Entnahmen von Waren aus Betriebs- und anderen Vorratslagern sowie willkürlich angeordneten Beschlagnahmen von „Beutegut“. Größere Holzlager wurden vielfach gleich zu Beginn beschlagnahmt. Man kann annehmen, dass die Besatzungstruppen schon für spätere Reparationen den Befehl dazu hatten. Dies traf vor allem für Rohstoffe, wie geschnittenes und rohes Holz, zu. Dazu gehörten auch Nägel und Schrauben sowie ausgewalztes Bandeisen. Es diente vor allem zur Herstellung und Sicherung von Kisten, in denen die Maschinen aus den zu demontierenden Betrieben in die Sowjetunion verschickt werden sollten. Oft entwendeten die Truppen Holz in einem Maße, dass die Betriebe nicht mehr in der Lage waren zu arbeiten. In Grüna gab es einen Holzverarbeitungsbetrieb, die Fa. Robert Schreiter, Chemnitzer Straße 97, der damals wie die meisten Betriebe davon betroffen war.

Begehrt von den russischen Truppen waren auch Kraftfahrzeuge, Motor- und Fahrräder. In dem neuen Kreisgebiet kam es vor, dass die Besatzungstruppen fahrbereite Kraftfahrzeuge beschlagnahmten und diese einfach wegfuhren, ohne dem Besitzer auch nur die Gelegenheit zu geben, die Wagenpapiere und im Auto liegende andere Sachen an sich zu nehmen. Es passierte auch, dass russische Offiziere mit Auto vorfuhren und die Herausgabe von Ware oder die Auslieferung von Vieh forderten. Der für den Landkreis zuständige Kommandant ließ dies im Limbacher Mitteilungsblatt Ende Juni 1945 bekanntgeben. Er wies darauf hin, dass diese Vorfälle nicht im Sinne der russischen Kommandantur sind und nur er die alleinige Befehlsgewalt hat. Beschlagnahmen von anderen Truppeneinheiten bedürften ebenfalls seiner Zustimmung. Bei auftretenden Schwierigkeiten sollte dies sofort der Kommandantur gemeldet werden.

Trotz der Bekanntgabe änderte sich in der folgenden Zeit nicht viel. Es kam erneut zu Vorfällen und auch Diebstählen. Dem Vater des Autors wurde nachts ein Leicht-Motorrad Mofa 98 entwendet, das er dringend für die Heranschaffung von Nahrungsmitteln für sein Lebensmittelgeschäft benötigte. Nur durch schnelle Meldung an die Kommandantur war es möglich, das Fahrzeug wieder zu erlangen. Das Verbot musste wenige Wochen darauf wieder erneuert werden. Welche weiteren Beschlagnahmen anfangs noch erfolgten, ist nicht mehr bekannt. Nach Angabe des Bürgermeisters gab es in Grüna keine größeren Vorratslager.

Die ersten grundlegenden Befehle der SMAD

Die Entwicklung unseres Landes wurde künftig durch den Erlass von Befehlen bestimmt. Die SMAD lenkte und leitete mit ihren Befehlen die Verwaltung des Landes und der Gemeinden, die Entwicklung der Wirtschaft sowie das gesamte öffentliche Leben. Im Gegensatz zu den alliierten Bestimmungen, die nur eine beschränkte Kontrolle über die Wirtschaft vorsahen, nahm die SMAD über die Kommandanturen unmittelbaren Einfluss auf die Gemeinde, die Parteien, Organisationen, Betriebe, sogar Privatpersonen. Bereits vor der Besetzung unseres Ortes hatte die SMAD in Berlin als oberste Militärinstanz drei schriftliche Befehle (außer den unbekannten geheimen und mündlichen Befehlen!) erlassen und bekanntgegeben:

Mit Befehl Nr.1 vom 9. Juni 1945 war der Machtanspruch der SMAD der deutschen Bevölkerung dokumentiert worden.

Mit Befehl Nr.2, der für die Alliierten und die deutsche Bevölkerung überraschend schon einen Tag nach der Konstitution der SMAD erlassen wurde, gewährte die SMAD den deutschen Bürgern das Recht auf die Bildung „freier Gewerkschaften“ und „antifaschistischer Parteien“.

Bis Ende Juni 1945 wurden daraufhin die KPD, die SPD, der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) sowie die CDU in der sowjetischen Besatzungszone neu gegründet. Die von den Parteien und Gewerkschaften ausgearbeiteten Programme und Statuten mussten registriert sowie eine Namensliste ihrer ausführenden Organe der russischen Kommandantur zur Kontrolle eingereicht werden. Eine politisch unbeeinflusste Tätigkeit war damit von Anfang an nicht möglich. Die Durchsetzung des Befehls führte in der folgenden Zeit zur schnellen Errichtung einer „antifaschistisch demokratischen Gesellschaftsordnung“, verbunden mit dem späteren schrittweisen Aufbau eines zentral gesteuerten Wirtschafts- und Gesellschaftssystems nach stalinistischem Vorbild. In der allgemeinen Presse wurde jedoch in den ersten Wochen nach der Besetzung durch russische Truppen kaum darüber berichtet (außer in den Parteiorganen der KPD und SPD). Auch in Grüna konstituierten sich die Parteien KPD und SPD neu, deren Mitglieder vorher zur amerikanischen Besatzungszeit illegal im „Komitee Freies Deutschland“ arbeiteten. Alle faschistische Gesetzgebung war mit den Befehlen Nr. 1 und 2 aufgehoben worden.

Mit Befehl Nr.3 der SMAD v. 15. Juni 1945 wurde die Bevölkerung aufgefordert, alle Waffen, Munition und andere militärische Gegenstände, die sich noch im Besitz örtlicher Verwaltungsorgane, Betriebe und Einzelpersonen befanden, bis 23. Juni 1945 den russischen Kommandanturen zu übergeben. Inwieweit der Befehl im Ort durchgeführt wurde, ist nicht bekannt, da möglicherweise alle Waffen bereits vorher der amerikanischen Besatzungsmacht übergeben und vernichtet wurden.

Die ersten von der SMAD geschaffenen Verwaltungen auf Kreisebene

Die sowjetische Besatzungsmacht war von Anfang an bestrebt, in den besetzten Gebieten alle noch vorhandenen deutschen Verwaltungen und Ämter aufzulösen. Die Verwaltungsorgane sollten von unten herauf neu aufgebaut und weitgehend mit neuen Arbeitskräften besetzt werden.

In der Regel führte die sowjetische Besatzungsmacht die Veränderungen als erste bei den Verwaltungen auf Kreisebene, insbesondere den Landratsämtern durch. Obwohl die amerikanische Besatzungsmacht bei den Landratsämtern schon vorher eine personelle Neubesetzung vorgenommen hatte, veränderte und gestaltete die SMAD die Verwaltungen in ihren Aufgaben und personell neu. Dies war die übliche, von der sowjetischen Militärverwaltung bevorzugte Verwaltungseinheit, die möglicherweise auch als „Anlaufstützpunkt“ gleich nach der Besetzung des Landes geschaffen wurde. Die Landratsämter erhielten gegenüber den Landgemeinden mehr Weisungsbefugnisse. Die Selbständigkeit der Gemeinden besonders in finanzieller Hinsicht wurde weitestgehend eingeschränkt.

Die sowjetische Militärregierung übernahm bei der Besetzung nahezu unverändert auch den vorher von der amerikanischen Besatzungsmacht gebildeten Landkreis Limbach, zu dem 12 Gemeinden einschließlich Grüna gehörten. Die Gemeinden wurden künftig durch die sowjetische Kommandantur in Limbach kontrolliert. Im Landratsamt löste man den früheren Landrat Herrn Schröder und dessen Stellvertreter ab, die die amerikanische Besatzungsmacht eingesetzt hatte. Als neuer Landrat wurde durch die sowjetische Kommandantur Herr Wellershaus eingesetzt. Einzelne Mitarbeiter blieben weiterhin.

Wenige Tage vorher war aus dem sowjetisch besetzten Teil des ehemaligen Landkreises Chemnitz ein weiterer Landkreis mit den meist östlich der Stadt Chemnitz gelegenen Gemeinden gebildet worden. Die sowjetische Kommandantur hatte dort in dem neuen Landratsamt ab 12.6.1945 Herrn Neubert als Landrat eingesetzt. Damit bestanden etwa ab Mitte Juni 1945 zwei Landkreise mit zwei Landratsämtern. Die Landratsämter mussten fortan im Auftrage der sowjetischen Militärregierung handeln. Sie wurden in den folgenden Wochen und Monaten von der Kommandantur vor allem zur Durchsetzung ihrer Befehle in den Kommunen des Landkreises genutzt, wie aus nachfolgenden Dokumenten hervorgeht.

Beispiel für gemeinsame Bekanntmachungen beider Landratsämter (Die im Text am 2.Juli angekündigte Übergabe erfolgte erst wesentlich später)

Grüna und alle anderen 11 Gemeinden des Landkreises Limbach unterstanden künftig beiden Landratsämtern. In wirtschaftlichen Belangen mussten sich die Gemeinden an die Bezirksstelle bzw. Wirtschaftsabteilung des Landkreises Limbach wenden. In allen anderen Sachgebieten erhielten sie Anweisungen vom Landratsamt des neuen Landkreises Chemnitz. Eine Vereinigung beider Landratsämter war erst Mitte Juli 1945 vorgesehen.

2. Die Entwicklung und das weitere Geschehen im Ort bis Anfang Juli 1945

Die sowjetischen Truppen hatten nach ihrer Besetzung am 14./15. Juni 1945 eine nächtliche Ausgangssperre über unseren Ort verhängt. In dieser Zeit durften die Bürger die Gemeinde nicht verlassen. Auch Ärzte und Heimbürger mussten sich in dringenden Fällen eine Genehmigung von der jeweiligen Kommandantur ausstellen lassen, wenn sie außerhalb des Ortes zu einen Patienten wollten. Eine Öffnung für die Bürger und den zivilen Verkehr erfolgte am 19.6.1945, etwa 4 bis 5 Tage nach Eintreffen der sowjetischen Truppen. Alle noch vorhandenen nazistischen Sprüche und frühere Bekanntmachungen von der amerikanischen Besatzungsmacht mussten bis dahin entfernt werden. Gleichfalls wurden an diesem Tag die Uhren zwei Stunden weiter auf Moskauer Zeit umgestellt. Nach Aufhebung der Ausgangssperre, die der Bevölkerung erst am 22.6.1945 mitgeteilt wurde, war eine Verbindung von Grüna nach Chemnitz und umgekehrt wieder möglich. Der Landrat teilte im Auftrage der russischen Kommandantur der Bevölkerung des Landkreises Limbach (also auch Grüna) mit, „...dass das Vorrücken der russischen Besatzungstruppen nach Westen den lange erwünschten Anschluss an den Chemnitzer Wirtschaftsraum brachte. Der Weg zum Arbeitsbetrieb, Lieferanten und den meisten Abnehmern ist wieder frei. Auch die Verwaltungsdienststellen, wie Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Ärztekammer, Landrats- und Gesundheitsamt usw. werden wieder für die Einwohner und Betriebe des Landkreises Limbach tätig sein.“

Im ganzen Landkreis Limbach einschließlich Grüna galten künftig die Befehle des Limbacher Kommandanten. Von der deutschen Bevölkerung erwartete er, dass sie Ruhe und Ordnung hält. Plünderungen und Felddiebstähle würden aufs strengste bestraft werden. Er ließ auch mitteilen, dass alle hergestellten industriellen Fertigwaren, über die eine generelle Beschlagnahme verhängt wurde, nur mit Genehmigung des russischen Kommandanten verkauft werden dürfen. Anträge dazu sollten beim zuständigen Bürgermeister eingereicht werden.

Nach der Machtübernahme begann die SMAD mit der politischen und wirtschaftlichen Umgestaltung des Landes. Vieles wurde anders. Es erfolgte eine rasche Veränderung im gesellschaftlichen Leben der Bürger. Die wichtigsten Aufgaben und Arbeiten zur weiteren Entwicklung unseres Landes wurden fortan von der sowjetischen Kommandantur bestimmt und angeordnet. In der Regel wurden sie über die Landräte an die Bürgermeister der Gemeinden weitergeleitet. Als dringendste Aufgaben, die keinen Aufschub zuließen, wurden am 18. Juni 1945, einen Tag vor Beendigung der Ausgangssperre, angekündigt:

    1. Reinigung des kommunalen Verwaltungsapparates von allen aktiven „Elementen der Nazibewegung“.

    2. Schnellste Beschaffung von Lebensmitteln und damit Sicherstellung der Ernährung.

    3. Linderung der Wohnungsnot, u.a. durch Instandsetzung beschädigter Häuser.

    4. Schnellste Wiederaufnahme der Arbeit in den Betrieben.

Eine erste Besprechung zur Realisierung der Aufgaben fand am 27. Juni 1945 in Limbach mit den zurzeit amtierenden Bürgermeistern statt. Von Grüna nahm noch der bisherige Bürgermeister Richard Walther teil. Ergänzend mussten die Bürgermeister in der folgenden Zeit ständig der sowjetischen Kommandantur über ihre Gemeinden Bericht erstatten. Die sowjetischen Militärorgane forderten im Gegensatz zur amerikanischen Besatzungsmacht genaue und allumfassende ausführliche Informationen, die meist in sehr kurzer Zeit zugearbeitet werden mussten. Am 28. Juni musste der Grünaer Bürgermeister ausführlich über die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft in der Gemeinde berichten. In der Limbacher Kommandantur hatte man Gehilfen des Kommandanten in Wirtschaftsangelegenheiten vermutlich dafür eingestellt.

Zur Entwicklung der Ernährungslage:

Nach der Besetzung unseres Landes durch die sowjetischen Truppen drohte die Ernährungslage sich weiter zu verschlechtern. Die meisten Menschen lebten weiterhin nur noch von der Substanz und ihren wenigen Vorräten. Sie versuchten zu überleben und waren gezwungen, sich selbst zu helfen, ihre Existenz und Lebensgrundlage zu sichern. Es herrschte ein wilder Handel von Nahrungsgütern im Austausch mit anderen Produkten. Die Menschen fuhren nach außerhalb in Gegenden mit mehr Landwirtschaft, um sich Lebensmittel im Tausch mit anderen Gütern zu verschaffen. Sie gingen „Hamstern“. Die Züge waren meist übervoll mit Menschen besetzt.

Die Bevölkerungszahl in unserer Gemeinde war seit Kriegsende Anfang Mai 1945 von über 8300 auf 7923 Ende Juni zurückgegangen. Zu dieser Zeit (etwa 7Wochen danach) befanden sich immer noch über 2000 Flüchtlinge und ausgebombte Bürger im Ort, deren Rückführung in ihre alte Heimat oder Weiterleitung in andere Gebiete im Hinblick auf die schlechte Ernährungslage dringend erforderlich war. Verschärft wurde die Situation durch weiterhin ankommende vertriebene Familien und Bürger aus den Grenzgebieten der Lausitz, wenig später ab Juli im verstärktem Maße aus dem ehemaligen Sudetengau, Böhmen und Mähren (jetzt Tschechien), die man ebenfalls von ihrer Heimat ausgewiesen hatte. Sie durften und konnten nur wenig mitnehmen und mussten zusätzlich noch mit den notwendigsten Haushaltsgütern versorgt werden.

Die Gemeinden unseres Landkreises waren in der ersten Zeit oft sich selbst überlassen. In Grüna fehlten in der Verwaltung der Gemeinde zu dieser Zeit Arbeitskräfte. Nicht wenige Angestellte waren noch in der Kriegsgefangenschaft oder vermisst bzw. im Ort durch die Entnazifizierung entlassen worden. Zum Teil hatte man dafür schon Mitarbeiter aus den Reihen der KPD und SPD ergänzt. Die wenigen, in der Gemeinde angestellten Mitarbeiter versuchten, zu helfen und die Versorgung der Einwohner, Flüchtlinge und Vertriebene durch Anschaffung von Nahrungsmitteln aus besser gestellten ländlicheren Kreisen sicherzustellen, was jedoch nicht immer gelang und nicht ausreichte. Der spätere Grünaer Bürgermeister Eugen Baldauf berichtete in seinen Memoiren: „Wir konnten nicht jedem helfen!“ Grüna als industriell fortgeschrittene Gemeinde mit relativ wenigen landwirtschaftlichen Gütern war selbst nicht in der Lage, alle Bürger im Ort zu ernähren.

Auf höherer Landkreisebene war man auf die Versorgung der Bevölkerung wenig vorbereitet. Aus den ersten Besprechungen zur Ernährungslage nach der russischen Besetzung geht hervor, dass die Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Limbach noch vollkommen ungeklärt war. So berichtete der Landrat Neubert am 18. Juni 1945 (etwa 4 Tage nach der Besetzung) „...dass es nicht möglich war, für den gesamten Landkreis Chemnitz die Verteilungssätze der Stadt Chemnitz zu erreichen.“ Die russischen Besatzungsbehörden hatten die Verteilungssätze zunächst nur für die Stadt Chemnitz festgelegt, da dort eine größere Hungersnot als auf dem Lande drohte.

Die sowjetische Regierung verlangte zudem eine Anpassung an den sowjetischen Lebensstandard, der unter dem amerikanischen und dem deutschen lag. Zusätzlich mussten auch die sowjetischen Truppen mit Lebensmittel und anderen Dingen versorgt werden.

Die Beschlagnahmen der sowjetischen Besatzungsmacht

Erschwerend für die weitere Entwicklung wirkte sich aus, dass die sowjetische Besatzungsmacht von Anfang an bestrebt war, so viel als möglich industrielle Fertigwaren aus der erst beginnenden Produktion der heimischen Betriebe zu entnehmen. Gleich nach der Besetzung Mitte Juni 1945 und noch vor den Verhandlungen der alliierten Mächte auf der Potsdamer Konferenz im Juli/August 1945 über die künftig zu leistenden Reparation erklärte die sowjetische Besatzungsmacht alle industrielle Fertigware für beschlagnahmt. Dies geht aus späteren Bekanntmachungen hervor, in welchen darauf hingewiesen wird, dass industrielle Fertigware jeder Art nur mit Genehmigung der russischen Kommandantur verkauft werden darf. Im Juli lockerte man den Befehl auf, indem Verkäufe von Industriewaren an den Einzelhandel oder an gewerbliche Verbraucher von der Beschlagnahme ausgenommen wurden.

In Ergänzung zu dem Befehl begann man, in Grüna und anderen Orten des Landkreises verschiedene Betriebe zu besetzen, die schon in der Lage waren, eine Produktion von industriellen Erzeugnissen aufzunehmen. Die Betriebe mussten von nun an für die Rote Armee und sowjetische Handelsorganisationen arbeiten. Es waren die leistungsfähigsten Betriebe in der Gemeinde Grüna. Die Betriebe durften nicht von anderen Personen betreten werden. Die Lieferungen der Betriebe wurden noch nicht als Reparationsleistungen angerechnet.

Im Landkreis Limbach wurden nach der Inspizierung der Betriebe die ersten Demontagen angekündigt. Grüna war jedoch eine der wenigen Gemeinden, in der bis Ende Juni keine größeren Demontagen durchgeführt wurden. Die größte Handschuhfabrik im Ort, die Fa. Gebr. Abel, wurde jedoch weiterhin von russischen Truppen besetzt. In dem Betrieb war fortan keine Produktion mehr möglich. Auf dem Grundstück entstand später die SDAG Wismut.

Fahrzeugzulassung und Transport

Mit Beendigung der Ausgangssperre wurde angeordnet, dass alle Kraftfahrzeuge, die vorher von der amerikanischen Militärverwaltung und vom Landrat in Limbach zugelassen waren, ohne neuerliche Prüfung eine russische Beschriftung erhalten. Obwohl viele neue Anträge von Bürgern im Ort gestellt wurden, genehmigte man keine weiteren Fahrzeuge. Begründet wurde es vom Landrat Limbach damit, dass erst abgewartet werden muss, in welchem Umfange Kraftstoff und Reifenmaterial für die Kraftfahrzeuge beschafft werden können.

Für alle Fahrzeuge und Fahrten musste jedoch weiterhin eine Genehmigung der russischen Kommandantur vorliegen. Nicht genehmigte Autos wurden sofort dem Verkehr entzogen bzw. von der russischen Militärkommandantur beschlagnahmt. Ein Trikotagenbetrieb mittlerer Größe mit etwa 30 bis 100 Beschäftigten (vielfach auch Heimarbeiter) durfte beispielsweise von 3 Fahrzeugen nur noch ein Auto behalten. Durch die Beschlagnahmen der sowjetischen Besatzungsmacht vergrößerte sich der bereits zur amerikanischen Besatzungszeit bestehende Mangel an Fahrzeugen in beträchtlichem Maße. Es führte dazu, dass sogar für den Transport von Lebensmitteln zur Versorgung der Bevölkerung bei weitem nicht genügend Lastkraftfahrzeuge in den Landratsämtern zur Verfügung standen. Der Landrat in Chemnitz musste sich an die Gemeinden wenden, ihn bei der Beschaffung von Lastkraftwagen und Benzin zu unterstützen.

Die Entnazifizierung in den kommunalen Verwaltungen

Die sowjetische Militärregierung forderte nach der Besetzung unseres Landes an erster Stelle eine Entnazifizierung in den Gemeinden. In Grüna wie in manch anderer Gemeinde waren noch die meisten Angestellten aus der NS-Zeit im Amt tätig. Auch der seit 1913 in Grüna amtierende Bürgermeister Richard Walther hatte seine Funktion noch inne. Nicht wenige der Angestellten und Gemeindevertreter waren Mitglied der nationalsozialistischen Partei (NSDAP). Die sowjetische Besatzungsmacht drängte darauf, alle aktiven in der NSDAP befindlichen Bürger schnell aus den Verwaltungen der Gemeinde zu entfernen. Noch im Juni 1945 mussten alle zurzeit im öffentlichen Dienst stehenden Bürger innerhalb einer Woche einen Fragebogen beantworten und mit Lebenslauf im Landratsamt Limbach einreichen. Am 26. Juni 1945 gaben auch der bisherige Bürgermeister Richard Walther und der Vorsitzende der KPD Eugen Baldauf, der auch Leiter des antifaschistischen „Nationalkomitees Freies Deutschland“ in Grüna war, ihre persönlichen Dokumente ab.

Am 28. Juni 1945 schritt man zur „Säuberung“ der Gemeinde Grüna von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern. Die russische Kommandantur und das Landratsamt forderten von den Bürgermeistern der Gemeinden eine schnelle Realisierung. Mit sofortiger Wirkung kamen 22 Angestellte, die teils noch im Amte oder noch nicht aus Kriegsdienst (meist in Gefangenschaft) zurückgekommen waren, zur Entlassung, darunter auch erfahrene Betriebsleiter aus kleineren und mittleren Betrieben. Die ehemalige 16 Mitglieder umfassende „Volksvertretung“ aus der nationalsozialistischen Zeit, die im Wesentlichen aus Parteigenossen der NSDAP und anderen bürgerlichen Parteien bestand, wurde vollkommen aufgelöst. Auch in der Gemeindeverwaltung gab es Entlassungen, jedoch nicht in diesem Maße. Nach Abschluss der Entnazifizierungsaktion standen für eine weitere Gemeindetätigkeit kaum noch erfahrene Angestellte zur Verfügung.

Trotz der von der Besatzungsmacht erzwungenen schnellen und z.T. auch radikalen Vorgehensweise konnte die Entnazifizierung im Ort bis Ende Juni 1945 noch nicht vollständig abgeschlossen werden. Sie musste aufgrund neuer Bestimmungen und schwieriger Einzelfälle bis weit in das 2. Halbjahr hinein durchgeführt werden.

Ein Wiederaufbau der Verwaltung in den Gemeinden war bis Ende Juni 1945 nicht möglich, da die SMAD andere Vorstellungen von einer parlamentarisch gewählten Gemeindevertretung hatte und im Juli 1945 neue Bestimmungen dafür bekannt gab. In den Verwaltungen sollten künftig vorwiegend Antifaschisten und „bewährte“ Kommunisten und Sozialdemokraten eingesetzt werden.

Über die Wiedererrichtung der kommunalen Selbstverwaltung sowie Entwicklung der Gewerbe und den Neubeginn der industriellen Produktion nach der Besetzung wird in einem der nächsten Hefte des Ortschaftsanzeigers Grüna/Mittelbach berichtet.

Quellennachweise

  • StadtA Chemnitz, Grüna S5, S9, S105, S106, S124 und 558

  • StadtA Chemnitz, Rabenstein 419

  • STAC Chemnitz, Bestand 30404, Akte und Film 1282 sowie 308

  • Oelsnitzer und Hartensteiner Zeitungen v. Juni/Juli 1945

  • Freie Presse, Chemnitz v. Mai/Juni 1945

  • Eugen Baldauf: Erinnerungen aus meiner Amtszeit als Bürgermeister von Grüna 1945-54

  • Weitere Dokumente u. Schriften sowie persönliche Erinnerungen und Aufzeichnungen.

Dieser Artikel stammt aus dem Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach August 2021

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