Holzernte im Rabensteiner Wald

Holzernte im Rabensteiner Wald.

Januar 2021. Tief verschneit liegt der Rabensteiner Wald in der Wintersonne. Motorengeräusch, Motorsägen kreischen, Bäume krachen zu Boden. Moderne Technik arbeitet sich durch den Wald. In der Nähe treffen Waldbesucher*innen auf gesperrte Wege und Pfade. Was ist hier los?



1896 wurde durch die Mitarbeiter des Königlich Sächsischen Forstrevieres ein Fichtenforst mit beigemischten Kiefern und Lärchen angepflanzt. Dieser behauptete sich auf seinem Standort über viele Jahrzehnte und wurde gewissenhaft gepflegt. Durchforsten, so heißt die Forstpflege in der Förstersprache.


Waldstück vor der Holzernte

Was geschieht beim Durchforsten? Da die Bäume Standraum im Wurzel- ebenso wie im Kronenbereich brauchen, werden in ca. zehnjährigem Turnus einzelne Bäume entnommen. Das können von über 100 Stück bis zu nur noch 30 Stück je Hektar (10000 m2) sein. Gemeinhin gilt: je älter die Bäume sind, umso weniger werden entnommen, aber umso holzreicher sind sie.

Nun, 125 Jahre später, war der Zeitpunkt der Holzernte gekommen. Vorausschauend wurden bereits im Jahr 2007 Rotbuchen und die Weißtannen gepflanzt. Dazu gesellten sich selbst angesamte Bergahorne, Vogelkirschen, Eiben, Fichten, Kiefern und Lärchen. Alles durchmischt noch mit der Eberesche.

Es war also Erntezeit zum Wohle der unter dem Altholz „wartenden“ jungen Bäume. Das findet vorrangig im Winter statt, wenn die Vegetation und die Waldfauna weitgehend ruhen - und glücklicherweise in diesem Jahr bei Frost und Schnee, was den Waldboden und den Hauptweg in gutem Zustand erhielt. Die alten Fichten hatten bereits solche Dimensionen bekommen, dass ihre untersten Stammstücke zu dick für unsere hochmoderne deutsche Holzindustrie waren. Sie wurden extra „gepoltert“ (am Weg abgelegt) um an ein spezialisiertes Starkholzsägewerk abgegeben werden zu können. Für den Transport der gefällten Bäume und dem Stapeln am Rand der Forstraße kam ein moderner, leistungsfähiger Rückezug zum Einsatz.


Rückezug im Einsatz

Die hohe Holzqualität ist auf den ersten Blick ersichtlich. Nur wenige kleinere Holzstapel mit angefaultem Holz liegen am Wegesrand. So hat sich die jahrzehntelange Arbeit mehrerer Generationen von Forstarbeitern und Förstern gelohnt. Die weitere Verwendung des Rohstoffes Holz ist vielfältig und umfasst den Konstruktionsholzbau angefangen von Dachstühlen bis hin zu ganzen Holzhäusern, den Innenausbau, den Türen- und Fensterbau, den Möbelbau, die Plattenindustrie bestehend aus Span- und OSB-Plattenherstellung („oriented strand board“ oder „Platte aus ausgerichteten Spänen“) sowie den riesigen Sektor der Garten- und Baumarktsortimente.

An der bearbeiteten Fläche ist auch gut der bereits seit Jahrzehnten laufende Waldumbau zu sehen. Die nahezu reinen Fichtenbestände weichen den Laub-Nade-Mischbeständen. Wirtschaftswald bleibt es weiterhin, aber die Baumartenvielfalt und die damit verbundene Biodiversität nehmen stark zu. An jeder Baumart hängt ja auch ein Netz an anderen Lebewesen, die mit dieser natürlicherweise zusammenleben. Mit dem Waldumbau seit den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts reagiert die Forstwirtschaft auf den stattfindenden Klimawandel und nimmt gar im zeitlichen Kontext eine Vorreiterrolle ein.

Die jungen Bäume werden in den nächsten Jahrzehnten ebenso wie damals die Fichten einer Pflege unterzogen. Bei der Pflege werden verwachsene und extrem dominante Bäume gezielt entfernt, um der großen Masse ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen.

Alle verbleibenden Bäume sollen möglichst fehlerfreie, gut gewachsene gesunde Stämme und Kronen entwickeln. In vermutlich 150-200 Jahren werden sie dann geerntet, wenn sie ihre Zielstärke erreicht haben. Diese wird wohl deutlich an 100 cm Durchmesser heranreichen.


Waldstück nach der Holzernte

Auf der Fläche sind nun noch einzelne Bäume verblieben. Es handelt sich fast ausschließlich um Kiefern und wenige Lärchen. Diese werden „Überhälter“ genannt. Das sind Bäume, die einfach im Bestand belassen werden, weil sie entweder ökologisch wertvoll sind (z.B. Höhlenbäume) oder zu sehr dicken Stämmen für einen spätere Nutzung heranwachsen sollen. Ganz nebenbei entlassen sie weiterhin jährlich ihre Samen und ihre Sämlinge werden letztendlich jede geeignete und noch vorhandene Lücke ganz natürlich besetzen. Hier aber ist es auch ein Gedanke an noch zu erhaltende Strukturen. Die Kiefern und Lärchen auf unserem Schiefer-Verwitterungsboden wurzeln sehr sicher und tief. Es ist wahrscheinlich, dass sie weitere Jahrzehnte überleben und in dieser Zeit als „Trittsteine“ den Baumbestand etwas strukturieren. Sie sind wesentlich höher als die jungen Bäume und bilden dadurch für viele Arten wertvolle Lebensräume. Einzelne Bäume, besonders die nordamerikanischen Weymouthskiefern, sterben an der Blasenrost-Krankheit und werden als stehendes Totholz und somit wertvolle Holzbiotope belassen. Wenn sie schließlich umstürzen, liegen sie weitere Jahrzehnte und verwittern langsam. Das werden wertvolle Kleinstlebensräume! Das Reisig der geernteten Bäume bleibt zum Humusaufbau konsequent liegen und findet damit seinen Weg im natürlichen Kreislauf.

Wie geht es im Rabensteiner Wald weiter?

In Zukunft werden wir immer wieder mit Insekten-Massenvermehrungen zu tun haben. Die Lage als Gebirgsrücken im Hügelland bedingt, dass Wasser eher Mangelware ist, da es ziemlich rasch abfließen kann und der Wind stetig über den Höhenzug streicht, was den Boden zusätzlich austrocknet. Unsere Fichte ist eine Baumart der höheren Gebirge. Sie wächst hier auf dem Höhenzug des Totensteins also außerhalb ihrer optimalen Verbreitungsgebiete und spürt den Trockenstress so intensiv, dass sie flächenweise dem Borkenkäfer zum Opfer fällt. Dieser profitiert von der immer noch reichlich vorhandenen Baumart und den im Hügelland für ihn mehr als optimalen Temperaturen.

Strukturpflege, Erhalt alter Laubhölzer, Humuspflege und Humusaufbau durch Belassen von möglichst viel Totholz auf der Fläche und möglichst bodenschonende Holznutzung stellen die Hauptaufgabe im Forstrevier dar. Immerhin müssen jährlich um die 6.000 m³ Holz im Rabensteiner Wald eingeschlagen werden. Sie wachsen immer wieder nach, denn jeder Baum lässt jedes Jahr einen Jahrring neu wachsen. Das macht durchschnittlich je Hektar und Jahr 10 m³ aus. Bei 850 ha Waldfläche sind das 8.500 m³!

Davon werden eben jene 6.000 m³ im Zuge der Waldpflege und Holzernte eingeschlagen. Sieht es an der betreffenden Fläche nach starkem Holzverlust aus, ist - auf die gesamte Waldfläche gerechnet - aber immer noch eine Holzanreicherung festzustellen!

Regional erzeugter Rohstoff Holz bedingt kurze Wege zum Verarbeiter und zum Kunden, er belässt die Wertschöpfung in der Region, sichert Arbeitsplätze und vermeidet Importe, die zu Lasten fremder Wälder gehen. Es ist nur fair, wenn wir weiter auf den Rohstoff Holz angewiesen sind, dessen Verwendung im Sinne der CO2-Bindung fördern, diesen im eigenen Land zu erziehen und zu nutzen.

Geben wir also an unsere Kinder und Enkel einen hoffentlich widerstandsfähigen und neben allen wichtigen Funktionen wie Schutz und Erholung auch nutzbaren Wald. Das ist gelebte Nachhaltigkeit, ganz im Carlowitz´schen Sinn: „…Der lieben Posterität… dass es eine kontinuierliche, beständige und nachhaltende Nutzung (des Holzes) gebe…“

Ullrich Göthel

Forstrevierleiter

STAATSBETRIEB SACHSENFORST

Forstbezirk Chemnitz

Forstrevier Grüna

Schaftreiberweg2 | 09117 Chemnitz

Tel.: 0371 844 90 75 | Fax: 0371 844 90 76 I Mobil: 0172 79 38 388

ullrich.goethel_at_smul.sachsen.de | www.sachsenforst.de

Sprechzeiten:

Donnerstags von 15:00-18:00 Uhr an o.g. Adresse, außer:

Jeden 3. Do im Monat im Rathaus Grüna, selbe Zeit.


Dieser Artikel stammt aus dem Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach April 2021

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