Wie geht es weiter mit dem Radwegbau?

Wie geht es weiter mit dem Radwegbau?

Diese Frage beschäftigt sicher nicht nur viele Einwohner unserer Ortsteile, sondern auch Freizeit-Radler andernorts. Jeder hat gemerkt, dass im Frühjahr die Gleise abgebaut wurden und zuletzt noch die Betonschwellen zerkleinert wurden. Und für die Radler keimte die Hoffnung auf, dass es vielleicht bald losgeht mit dem Bau eines Radweges auf dem Gleiskörper der ehemaligen Bahnstrecke Wüstenbrand-Chemnitz/Altendorf. Ich habe deshalb bei dem Tiefbauamt der Stadt Chemnitz angefragt und Auskunft erhalten.


Die ersten Fotografien mit Impressionen von der Demontage der alten Gleise stammen von Carsten Friedrich. Der Abbau erfolgte zuerst von Chemnitz aus, danach aus westlicher Richtung ab Wüstenbrand. Die Gleise wurden vor Ort in „handliche“ Teile geschnitten und zum Gelände des Oberen Bahnhofs Grüna transportiert. Interessant, dass die Diesellok Baureihe Kö II von Sylvio Köstner noch einmal zum Einsatz kam, weil die Gleise an der Bergstraße bereits fehlten (infolge des Baus der Abwasserkanäle vor mehreren Jahren), so dass die Gleisstücke über die Straße auf den Anhänger des Ferkeltaxis umgeladen werden mussten und zum Oberen Bahnhof transportiert wurden. Dort wurden die Gleisabschnitte dann demontiert und weitgehend abtransportiert. Verblieben ist ein großer Stapel der kontaminierten Holzschwellen, der hoffentlich auch bald verschwindet.


Und in diesem Zusammenhang ist es auch interessant, ob, wann und wie der Lückenschluss zum fertigen Radweg Mittelbach-Lugau erfolgen wird. Angefragt habe ich deshalb auch bei den Stadtverwaltungen von Hohenstein-Ernsthal und Oberlungwitz, zu deren Gemarkungen neben Chemnitz (für Mittelbach) ja das Zwischenstück über Wüstenbrand gehört.


Nun zu den Auskünften, die ich aus Chemnitz, Oberlungwitz und Hohenstein-Ernstthal erhielt. Den zukünftigen Radweg von Wüstenbrand nach Chemnitz betreffend:

  • Die Stadt hat 2019 das Gelände der 13,5 Kilometer langen ehemaligen Bahnstrecke von Wüstenbrand bis Schlosschemnitz/Küchwald von der Deutschen Bahn erworben. Es soll eine sichere und attraktive überregionale Radverkehrsverbindung hergestellt werden, die größtenteils unabhängig vom übrigen Verkehr ist.

  • Der Ausbau soll als "Radschnellweg" bzw. "Premiumradweg" mit einer mittleren Breite von 4 m erfolgen.

  • Der Radweg befindet sich derzeit in Planung, eine Vorplanung dafür liegt vor. Es wurden 4 Teilabschnitte gebildet: TA 1 von Wüstenbrand bis zur Rabensteiner Straße (Grüna), TA 2 von der Rabensteiner Straße bis Kalkstraße Höhe Weideweg, TA 3 von der Kalkstraße bis Paul-Jäkel-Straße und TA 4 von Paul-Jäkel-Straße bis Wittgensdorfer Straße.

  • Die zeitliche Umsetzung richtet sich neben der weiteren Mittelbereitstellung auch nach den naturschutzrechtlichen Auflagen und den damit erforderlichen Genehmigungsverfahren.

  • Unter der Voraussetzung der Fördermittelbereitstellung könnte ein erster Bauabschnitt bereits 2021 begonnen. werden. Dabei handelt es sich um einen Bereich des 3. Teilabschnittes, von der Kalkstraße bis zur R.-Krahl-Straße.

  • Mit einem Bau des Abschnitts in Grüna ist (leider!) in den nächsten 3 Jahren nicht zu rechnen.

  • Vorerst bleiben also alle Übergänge an der zukünftigen Trasse erhalten. Erst in einem Planfeststellungsverfahren bei der Landesdirektion werden die Fragen mit den Anliegern dann geklärt.


Den Lückenschluss zum Radweg nach Lugau betreffend erhielt ich folgende Auskünfte:

  • Die Flächen wurden jeweils von den Städten angekauft,

  • Fördermittel wurden zwar beantragt, standen aber für 2020 nicht mehr zur Verfügung, so dass der Lückenschluss frühestens 2021 begonnen werden kann.

  • Verzögerungen gab es, weil im Bereich der ehemaligen Bahntrasse geschützte Arten leben könnten. Die vermutete seltene Zauneidechse konnte zwar nicht gefunden werden, wohl aber andere Amphibien wie die ebenfalls bedrohte Knoblauchkröte. Die dafür notwendigen Ausgleichsmaßnahmen sind geplant.

Da die Strecke über die Gemarkung mehrerer Städte und sogar Kreise geht, ist zu hoffen, dass eine gemeinsame Planung und Realisierung nicht durch bürokratische Hindernisse weiter verzögert wird oder gar scheitert.

Noch einmal zurück zum zukünftigen Radweg nach Chemnitz. Carsten Friedrich hat zusammen mit seiner Frau zum Abschluss der von ihm dokumentierten Abrissarbeiten am 18. Mai für die Bauarbeiter einen Kuchen gebacken und gemeinsam mit ihnen verspeist.


Und „Radschnellweg“? …. Auch wenn es dafür keine eindeutigen Definitionen gibt, so liest man doch im Netz dazu solche Anforderungen wie besondere Verkehrsregelungen bei Wege- und Straßenkreuzungen, Beleuchtung nachts, Winterdienst, keine Fußgänger und Skater usw. Und eine mittlere Breite von 4 Metern scheint auf dem Bahnkörper kaum realisierbar. Ein solcher Radweg ist dort sinnvoll, wo viele ihn als täglichen Arbeitsweg nutzen, wie etwa im Ruhrgebiet, wo es solche Wege schon gibt. Hier aber dient er doch vorwiegend touristischen Zwecken. So wie der Radweg nach Lugau sollte es m. E. sein. Dort ist die Breite mindestens 2,5 Meter. Für mich ist das ein Premiumradweg. Hoffentlich sind die Mittel nicht an Anforderungen geknüpft, die allzu viel kosten und unnötige Verzögerungen nach sich ziehen!


Die Natur hat schon nach nur 6 Monaten Teile des Bahnkörpers zurück erobert, wie das Bild zeigt. Es wird leider nicht lang dauern, dass der Weg für Wanderer nicht mehr passierbar ist (ist auch jetzt schon schlecht zu begehen, da vielerorts grob gebrochenen Betonstücke liegen).


Und leider scheint mir auch die Nutzung als Skiwanderweg passé, sollte es doch wieder mal Winter mit ausreichend Schnee geben. Und weil die Natur das Gelände so schnell zurück erobert, bleibt für die Radler nur zu hoffen, dass nicht Zauneidechse, Knoblauchkröte oder andere geschützte Tiere die Gelegenheit nutzen ….!

Nach Redaktionsschluss, aber gerade noch rechtzeitig, lese ich am 17.9. in der Freien Presse im Beitrag „So soll der neue Omnibusbahnhof aussehen“ wie es mit dem Radweg „vorangeht“: Nämlich dass Geld, das für den Radweg bestimmt war, für den Busbahnhof verwendet werden soll und dass Fördergeld für den Radweg nicht termingerecht bis Oktober 2019 beantragt wurde, somit die für 2020 geplanten Bauarbeiten nicht erfolgen können.

Ulrich Semmler

Dieser Artikel stammt aus dem Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach Oktober 2020

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