Schnell vergeht die Zeit – und schon wieder ist Frühling. Das bedeutet auch: Storchenzeit. Zwar zeigt sich das Wetter teilweise noch recht launisch, doch der Storchenhorst wächst stetig. Fast bei jedem Anflug bringen die Störche weiches Material mit, um ihr Nest gut zu polstern. Der Kirchgarten, der Wiesengrund und die umliegenden Felder bieten ein reichhaltiges Angebot an Zweigen, Moos und Blättern – und sicherlich ist auch der eine oder andere Leckerbissen dabei.
Fast zur gleichen Zeit wie in den Jahren zuvor kehrte die Storchenfrau im März zu ihrem angestammten Nest zurück, um auf einen Partner zu warten. Der Grünaer Storchenmann ist ein Ostzieher und trifft in der Regel etwa drei Wochen später ein.
Eine Woche später umkreiste ein unberingter Storch lange Zeit den Horst. Anfangs zeigte sich die Storchenfrau wenig begeistert und verteidigte ihr Nest entschlossen. Doch nach zwei Stunden Ausdauer gelang es ihm schließlich, und die beiden wurden ein Paar. Gemeinsam bauten sie am Horst und begannen mit der Familienplanung, alles wirkte harmonisch, die Brut hatte bereits begonnen.

Allerdings hatten sie die Rechnung ohne den alten Hausherrn gemacht – den tschechischen Storch. Es kam, wie es kommen musste: Kurz vor Ostern kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Kampf um das begehrte Nest dauerte mehrere Stunden. Alle beteiligten Störche lieferten sich erbitterte Kämpfe. Der tschechische Storch setzte sich schließlich trotz eigener Verletzungen durch, brachte anschließend sofort wieder „Ordnung ins Haus“, warf zwei Eier aus dem Nest – und plötzlich kehrte wieder Ruhe ein. Die Familienplanung wurde erneut aufgenommen.
Diese Auseinandersetzungen waren von lautem Geklapper und Fauchen begleitet. Auch die darauffolgende Nacht verlief unruhig. Am nächsten Tag stand jedoch wieder der junge, unberingte Storch auf dem Horst.
Die beiden brauchten eine Weile, um sich neu zu sortieren, und mussten erneut mit der Familienplanung beginnen. Jetzt, etwa drei Wochen später, wird wieder fest gebrütet. Das Nest bleibt nicht mehr unbeaufsichtigt – beide wechseln sich beim Brüten ab. Anfang bis Mitte Mai können wir vermutlich die ersten Jungen bewundern.
Seit einigen Tagen fliegen vermehrt fremde Störche über den Horst, der mit lautem Geklapper verteidigt wird.
Es bleibt spannend.
Zum Beobachten eignet sich die livecam unter https://storchenleben-gruena.de
„Unser“ tschechischer Storch wurde inzwischen in Jahnsdorf und Neukirchen an verschiedenen Horsten gesichtet. Er wird sicherlich bald ein neues Zuhause finden.
Karla Rößler
PS: Aktuell zum Redaktionsschluss des Ortschaftsanzeigers am 5.Mai zeigte sich im Horst ein erstes Küken. Wir sind gespannt, wie viele es werden und wie sie sich entwickeln.
Dieser Artikel stammt aus dem Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach Mai 2026