Der Heimatverein Grüna berichtet im Juli 2026

Heimatverein Grüna e.V.   

Chemnitzer Museumsnacht am 9. Mai 2026

Wie schon regelmäßig seit 2022 beteiligte sich auch in diesem Jahr der Heimatverein Grüna mit seiner Baumgarten-Wölfert-Ausstellung im Rathaus an der Chemnitzer Museumsnacht – wieder mit guter Resonanz bei den Grünaern, aber auch bei Interessierten aus ferneren Ortsteilen der Stadt. 129 Besucher waren es in diesem Jahr, etwa so viele wie auch in den zurückliegenden Jahren. Der größte Andrang herrschte gegen 18 Uhr, wenn Grünaer oder auswärtige Besucher bei uns die Museumsrunde beginnen, um dann in der Stadt fortzusetzen, und wiederum zu nachtschlafender Zeit, wenn sie ihre Runde hier beenden. Neben der Ausstellung selbst im Erdgeschoss lief im ersten Stock nonstop ein Film zu den Themen Baumgarten, Zeppelin und Heimatverein Grüna.

Und wie in den vergangenen Jahren, beteiligten sich Karla Krahmer und ihr Lebenspartner Klaus Ahnert mit eigener Ausstellung im ersten Stock des Rathauses. Neben historischen Maschinen und Geräten zeigte Karla ihre Kollektion von Handschuhen und Textilien, weiß aber enorm viel über die Textilgeschichte von Grüna zu berichten – interessant und kurzweilig wie immer!

Jahreshauptversammlung in Waldenburg anlässlich 25 Jahre Heimatverein

Nach der 1999 (nicht freiwilligen) Eingemeindung von Grüna nach Chemnitz gründete sich am 13. März 2001 der Heimatverein Grüna e.V.

2026 feiern wir also unser 25-jähriges Gründungsjubiläum. Aus diesem Anlass verlegten wir am 12. Mai unsere monatliche Versammlung vom Vereinszimmer im Rathaus nach Waldenburg. Eingeladen waren auch die Partnerinnen und Partner der Vereinsmitglieder (die uns ja häufig bei unseren Aktivitäten unterstützen, und sei es dahingehend, dass wir „für die Vereinsarbeit freigestellt werden“). Dabei waren auch langjährige Unterstützer bei der Verteilung der Ortschaftsanzeiger, was ja bekanntermaßen eine Aufgabe des Heimatvereins ist.

Los ging es mit einer sehr interessanten Führung durch das Naturalienkabinett. Errichtet wurde es als eigenständiger Museumsbau 1845/46 durch Fürst Otto Victor I. von Schönburg. Bedeutung erlangte es durch den Erwerb des Kunst- und Naturalienkabinetts der Leipziger Apothekerfamilie Linck. Diese „Wunderkammer“ ist heute noch nahezu vollständig erhalten und gehört damit zu einer der wenigen dieser Art weltweit. Die Führung war recht kurzweilig und bot wegen ihrer vielen eingestreuten Geschichten viel Neues selbst für jemanden, der das „Museum im Museum“ schon kannte.

Weiter sollte es zu Fuß durch den Grünfelder Park zum Essen in die Glänzelmühle gehen. Da der Museumsbesuch länger dauerte und das Wetter uns einen Streich spielte, wurde der Weg per PkW zurückgelegt. In der Glänzelmühle war das Essen bestellt.

Gut gespeist ging es dann nahtlos zur Mitgliederversammlung über. Hier standen die Rechenschaftsberichte des Vereinsvorsitzenden Detlev Mühlstein und des Kassierers Steffen Schaarschmidt an. Die vorher erfolgte Kontrolle der Vereinsfinanzen durch die Revisoren zeigte keine Beanstandungen. Beide Berichte – Vorsitzender und Kassierer – wurden einstimmig bestätigt und damit beide entlastet. Eine Neuwahl stand dieses Jahr nicht an, wohl aber die Wahl der Revisoren für die kommenden 2 Jahre. Wiedergewählt wurden Andreas Weber und Michael Neubert.

Somit ging ein erlebnisreicher Nachmittag zu Ende. Und die ausgefallene Wanderung bzw. einen Spaziergang durch den Grünfelder Park kann man sich ja jederzeit selbst einmal vornehmen – es lohnt sich unbedingt!

Und was macht unser Oberförster?

Sicherlich schaute er am 17. Juni und am 8. Juli vergnügt aus dem Luftschiffer-Himmel ins Grünaer Rathaus, wo die Kinder der „großen Gruppen“ vom AWO-Kinderhaus Baumgarten die ihm gewidmete Gedenkausstellung besuchten. Er wird auch seine Freude daran haben, dass seine alte Oberförsterei und der dazugehörige Park seit 2009 ein wunderschönes Domizil für die Kinder geworden sind. In der Ausstellung erlebten sie (wie ihre Vorgänger in den vergangenen Jahren) einen altersgerechten Bildervortrag von Fritz Stengel (diesmal in Zivil) über Georg Baumgarten und den Traum vom Fliegen. Sie folgten den Ausführungen aufmerksam und lebhaft, und viele Kinder beteiligten sich mit ganz cleveren Ideen, wie man denn so ein Luftschiff antreiben und lenken könnte. Anschließend gab es kurzweilige Beschäftigung mit dem neuen Memory-Spiel, mit Puzzles oder mit der immer wieder beliebten Herstellung von Ansteckern (zu neudeutsch Buttons) mit selbst kolorierten Luftschiff-Bildern. Und die Kinder versprachen, doch bald einmal mit Mama und Papa und Oma und Opa wiederzukommen.

Eine weitere Freude hatte der Luftschiff-Erfinder, als am 4. Juli acht Heimatvereins-Mitglieder und Helfer sein letztes Modell „Baumgarten NT“ beim Sommerfest des Chemnitzer Geschichtsvereins auf dem alten Flughafengelände an der Stollberger Straße präsentierten – seit dem „Jungfernflug“ beim Festumzug „750 Jahre Grüna“ nun schon zum X-ten Mal.

Das Wetter war schöner als gedacht, und vor allem der Wind ungefährlich schwach. Himmel und Menschen hatten sich auf dem Gelände mit großem Zelt, Riesenrad und etlichen Buden versammelt. MDR-Moderatorin Peggy Patzschke führte von 11 bis 19 Uhr durch das Programm und interviewte auf der großen Bühne die Hauptveranstalter von der WG Chemnitz-Helbersdorf und vom Chemnitzer Geschichtsverein, sowie viele Besucher und nicht zuletzt Christian Köhler vom Chemnitzer Verein für Luftfahrt, der als direkter Nachfolger des Vereinsgründers interessante Einblicke in die Geschichte dieses ältesten Chemnitzer Luftfahrtvereins (seit 1895) vermittelte. Und er hatte neben seiner echten Ballon-Gondel auch ein niedliches Heißluft-Ballon-Modell mitgebracht, welches er, mit einer Leine gesichert, vorführte. Dazu gab es Live-Musik und Speis‘ und Trank.

Die zahlreichen Kinder standen Schlange, um einmal in die Gondel steigen und Luftschiff-Pilot spielen zu dürfen. Da hätte der selige Georg Baumgarten wohl manchmal gern einen Mahnruf aus den Wolken herabgesandt, denn der alten Mechanik wurde doch arg zugesetzt ...

Aber was war der Anlass dieser Veranstaltung? Genau wie unser Grünaer Sommerbad begeht der Chemnitzer Flughafen an der Stollberger Straße in diesem Jahr sein 100-jähriges Eröffnungs-Jubiläum, und genauso sind beide Einrichtungen schon längst wieder Geschichte. An die Flughafen-Geschichte erinnerte eine sehr umfangreiche und informative Ausstellung im ehemaligen Flughafengebäude, die bereits am 2. Mai eröffnet worden war und nun am 4. Juli schloss. Doch sie kann weiterhin besichtigt werden: Bis zum 18. August im Vita-Center. Auch Baumgarten ist in dieser Geschichte vertreten, mit einer großen Info-Tafel und unserem 2,85-Meter-Modell aus der Ausstellung. Gehen Sie mal hin – es lohnt sich!

Stahringers Naturheilanstalt und das „Haus Waldquell“

Seit 2022 steht das frühere Hauptgebäude der 130 Jahre zuvor gegründeten Naturheilanstalt von Bertrand Stahringer, am Ende der Rabensteiner Straße, nun als „Haus Waldquell“ der Stadtmission Chemnitz dem betreuten Wohnen und der Tagespflege älterer Menschen zur Verfügung. Nach langem Leerstand und drohendem Verfall konnte dieses denkmalgeschützte historische Sanatoriumsgebäude umfassend saniert und restauriert werden.

Eine sehr rührige Mitbewohnerin ist Frau Inge Loos, die seit langem schon den Wunsch geäußert hatte, einen Bildervortrag des Heimatvereins zu wiederholen, der im September 2022 anlässlich des Tages des Offenen Denkmals gehalten worden war. Mit Hilfe der für das Betreute Wohnen zuständigen Mitarbeiterin der Stadtmission, Frau Annett Reichel, war mit dem 1. Juli nun endlich ein Termin gefunden. 20 bis 25 Bewohnerinnen und Bewohner folgten aufmerksam den Ausführungen von Fritz Stengel, der mit Laptop und Beamer angereist war.

Im Mittelpunkt standen natürlich Leben und Wirken des Naturheilpraktikers Bertrand Stahringer (1852 – 1909) sowie seine Naturheilanstalt und deren Nachfolgeeinrichtungen bis heute. Ihm verdankt Grüna, dass es sich für 20 Jahre einmal „Bad Grüna“ nennen durfte.

Der zweite und neue Teil des Vortrags beschäftigte sich mit dem Mann bzw. seiner Firma, welche dieses Haus errichtete und der Grüna noch heute seine imposantesten historischen Gebäude verdankt: dem Baumeister Robert Schreiter. Und das hatte einen Grund: Eine Urenkelin Schreiters, Frau Rosemarie Zimmerling, wohnt nun hier und vermachte ein Foto ihres verdienten Urgroßvaters (neben seiner Ehefrau) dem Haus Waldquell. Gemeinsam mit dem Bildnis Stahringers wird es künftig eine Wand im Gebäude schmücken.

Zur Erinnerung: Welche Gebäude gehen auf das Wirken des Baugeschäfts Robert Schreiter zurück?

  • Ab 7. Juni 1884 das heutige Rathaus, erbaut als Obere Schule. Bereits neun Jahre später war dieses Haus zu klein für die rasant steigende Schülerzahl und wurde am 1. Oktober 1894 zum Rathaus.
  • 1892/93 Bau der Zentralschule für den oberen und unteren Ortsteil Grünas
  • Ebenfalls 1892/93 Stahringers Naturheilanstalt
  • 1892 – 94 die Grünaer Kirche
  • Ab 4. Juli 1898 das Gebäude Bahnhofstraße 4 (heute August-Bebel-Straße) für die Konsumgenossenschaft

Dazu kommen Fabrikneubauten, Wohnhäuser u. v. a. m., wie zum Beispiel 1890 eine Turnhalle, welche später zum Kino umfunktioniert wurde (nach 1990 abgerissen)

Damit war der Vortrag eigentlich beendet, aber die „Zugabe“ schien für das Publikum der interessanteste Teil zu sein: Bilder aus dem alten Grüna. Da hieß es „Jaa, und Ah, und Oh, das war doch ... da wohnte doch ...“, und auch ein uns bisher unbekanntes Gebäude konnte erkannt und zugeordnet werden. Alles in allem also eine gelungene Veranstaltung, die bei Interesse in anderem Kreis gern wiederholt werden kann.

Noch ein Hinweis: Alle dargebotenen Informationen stammen aus unserem Heimatbuch von 2013 „Grüna/Sa. – Geschichte und Geschichten aus der Grünen Au“, noch erhältlich in der Baumgarten-Wölfert-Gedenkausstellung. Und wenn Sie selbst über alte Aufnahmen verfügen: Bitte unbedingt vorbeibringen, nach dem Einscannen garantiert zurück.

Ulrich Semmler und Fritz Stengel Heimatverein Grüna e.V.

Dieser Artikel stammt aus dem Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach Juli 2026

gruena-online.de

Der Heimatverein Grüna e.V. betreibt diese Internetseite, um unserem Ortsteil Grüna eine gewisse Eigenständigkeit zu erhalten.

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