Die aufregenden Zeiten der Partnersuche und Horsteroberungskämpfe im April haben sich inzwischen in eine regelmäßige und arbeitsreiche Familienzeit verwandelt.
Nachdem sich die Storchenpaare für dieses Jahr gefunden hatten, begann eine erfolgreiche Brut. In diesem Jahr waren außerdem viele fremde Störche zu beobachten. Sie kamen häufig in Gruppen von fünf oder sechs Tieren zum Horst, wurden jedoch jedes Mal mit lautem und ausdauerndem Geklapper erfolgreich vertrieben. Für uns Beobachter war das stets ein beeindruckendes Schauspiel.
Am 5. Mai konnte schließlich das erste Köpfchen entdeckt werden. Bereits einen Tag später, am 6. Mai, war auch das zweite Jungtier zu sehen. Relativ spät, erst eine Woche danach am 13. Mai, zeigte sich schließlich das dritte Köpfchen. Dieser Altersunterschied von einer Woche war lange Zeit deutlich erkennbar. Das Nesthäkchen war jedoch zu keiner Zeit schwächer als seine Geschwister – es wurde regelmäßig mit Futter und Wasser versorgt. Inzwischen ist es von den beiden älteren Jungstörchen kaum noch zu unterscheiden.
Unsere drei Grünaer sind prächtig gewachsen. Im Jahr 2026 sind sowohl das Nahrungsangebot als auch die Wetterbedingungen hervorragend. Die Storcheneltern wechseln sich zuverlässig bei der Versorgung ihrer Jungen ab. Neben Futter bringen sie an warmen Tagen auch ausreichend Wasser zum Horst. Mit ihren ausgebreiteten Flügeln spenden sie den Jungstörchen zusätzlich Schatten. Die Jungen lernen dabei schnell von ihren Eltern. So stehen sie bei großer Hitze bereits mit geöffnetem Schnabel da. Dieses sogenannte Hecheln sorgt für eine bessere Luftzirkulation und hilft dabei, die Körpertemperatur zu regulieren.

Am 1. Juni wurden die drei Jungstörche beringt – aus verschiedenen Gründen diesmal direkt auf dem Horst.
BAO52746 / XL445 – 13,5 cm – 1,55 kg
BAO52747 / XT446 – 23,5 cm – 2,33 kg
BAO52748 / XC447 – 25,8 cm – 2,55 kg
Nun haben die drei Jungen ihren eigenen Namen und gewissermaßen einen „Ausweis“ für ihr hoffentlich langes Storchenleben. Dadurch besteht die Möglichkeit, sie eines Tages wiederzuerkennen. Auch hier wird der Altersunterschied von einer Woche beim Schlupf noch einmal deutlich sichtbar.

Bereits am 8. Juni wurden die drei Jungstörche zeitweise von ihren Eltern allein auf dem Horst gelassen. So lernen sie Schritt für Schritt, selbstständiger zu werden. Die regelmäßige Versorgung mit Futter und Wasser übernahmen die Eltern selbstverständlich weiterhin.
Gut zu erkennen sind die Jungtiere an ihren noch schwarzen Schnäbeln. Oft ist dies das einzige Merkmal, an dem sie sich von ihren Eltern unterscheiden lassen.

Ende Juni beginnen schließlich die ersten Flugübungen. Mit weit ausgestreckten Flügeln und kleinen Hüpfern trainieren die Jungstörche ihre Muskulatur und bereiten sich auf ihre ersten Flüge vor. Auch das ist für uns wieder ein ganz besonderes Erlebnis.
In diesem Jahr hatten wir bereits mit vielen Problemen unterschiedlichster Art zu kämpfen. Als wäre das nicht genug, wurde Ende Juni auch noch unsere Kamera gehackt. Das hat uns vor eine große Herausforderung gestellt und wir haben eine Lösung gefunden, damit alle die Störche wieder wie gewohnt beobachten können.
Bis bald Karla Rößler
Dieser Artikel stammt aus dem Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach Juli 2026