Vor 80 Jahren: Grüna im Fußballrausch

Vor 80 Jahren: Grüna im Fußballrausch

1937 erreichte der Fußballsport in Grüna seinen Höhepunkt. Die für den damaligen Sportverein Grüna 1912 e.V. spielende Fußballmannschaft stieg von der Kreisklasse (1933) bis in die höchste Spielklasse Sachsens auf. In einer Grünaer Beilage des Chemnitzer Tagesblatts wird berichtet, dass die Mannschaft nach mehreren Ansätzen die Abteilungs- und gleichzeitig die Klassenmeisterschaft errang. Für viele unerwartet folgte sogar die Meisterschaft in der Chemnitzer Bezirksklasse. Der Grünaer Mannschaft gelang es, „im einmütigen Zusammenreißen aller Kräfte" als erster der vier Bezirksmeister in Sachsens Spitzenklasse aufzurücken.

Die als Neuling von der damaligen Fußballwelt stark beachtete Grünaer Mannschaft konnte sich in den Aufstiegsspielen zur Gauliga im März/April 1937 gegen die favorisierten Mannschaften Plauen und Leipzig durchsetzen und besiegte diese mit 3:2 und 4:2. Spannende Spiele lieferte sie sich mit dem „Sachsen-Altmeister" der Gauliga „DC Dresden", die zumeist unentschieden endeten. Nahezu alle Sportzeitungen und Presseorgane des Chemnitzer Bezirks und sogar Dresdner Zeitungen berichteten von der Grünaer Elf. In nicht wenigen Kommentaren und –berichten wurde herausgestellt, dass die „Grünaer Mannschaft ihre großen Sporterfolge wohl in erster Linie ihrem schnellen und ehrgeizigen Spiel wie auch ihrem guten Gemeinschaftsgeist verdankt."

Die Grünaer Mannschaft sorgte für Überraschungen und zeigte zeitweise überdurchschnittliche Leistungen. Besonders gefürchtet war der Sturm mit Türk-„Lazer" als Mittelstürmer, dessen Schusskraft in den Kommentaren häufig herausgestellt wurde, mit den Gebrüdern Boden und anderen herausragenden Spielern.

Zum Spiel gegen Dresden strömten bis zu 8000 begeisterte Zuschauer auf den heimischen Fußballplatz im Wiesengrund, so dass sogar ein Sonderzug eingesetzt werden musste.

Vom ersten Aufstiegsspiel in die Gauliga berichtete die Dresdner Presse:

SV Grüna gegen Sportfreunde 01 Dresden 3:3 (0:2)

Vor 5000 Zuschauern retteten die Dresdner in Grüna einen wichtigen Punkt. Die Einheimischen scheiterten häufig an der hervorragenden Dresdner Abwehr, in der vor allem Verteidiger Schua ein glänzendes Spiel lieferte. In der ausgeglichenen ersten Halbzeit kamen die Dresdner nach einer Viertelstunde kurz nacheinander zu zwei Toren durch Ebert und Pauliner. Nach der Pause holte R. Boden auf 1:2 auf, aber Richter stellte auf 1:3. Unmittelbar darauf holte R. Boden den zweiten Treffer für Grüna heraus, und sechs Minuten später schaffte H. Boden den Ausgleich.

Obwohl sich die Grünaer Mannschaft anfangs im 2. Halbjahr 1937 noch in der Gauliga behauptete, auch gegen verschiedene Mannschaften sich durchsetzte und weitere spannende Spiele lieferte, schaffte sie 1938 den Klassenerhalt nicht. Bis Ende Februar 1938 konnte sie kein Spiel mehr gewinnen Auf Grund ungünstiger Torverhältnisse musste sie als Tabellenletzter wieder absteigen. Die Zurückstufung in die Bezirksklasse wurde in Pressekommentaren bedauert – besonders im Hinblick, dass die Grünaer Mannschaft ihren großartigen Aufstieg aus „eigener Kraft mit großem Gemeinschaftsgeist" und nur mit eigenen Spielern, also ohne neue Fußballer von auswärts, schaffte.

Noch Jahrzehnte später erinnerte sich Helmut Schön, Bundestrainer des DFB:

„Der SV Grüna stieg aus unteren Spielklassen bis zur Gauliga auf und ich weiß noch sehr gut, wie schwer wir es damals hatten, in Grüna bei einem Meisterschaftsspiel einen Punkt zu holen. Walter Türk und die Gebrüder Boden waren sehr gute Spieler und der Trainer der Mannschaft war damals der frühere Torhüter des PSV Chemnitz Gustav Weggel. Ich möchte gleichermaßen gern bestätigen, dass der Aufstieg des SV Grüna allenthalben großen Beifall gefunden hat, weil er von einem sehr guten Geiste und überraschend guter Spielkultur getragen worden ist."

(Dieser Brief von Helmut Schön wurde im März 2017 von Herrn Jürgen Heinze dem Heimatverein übergeben.)

Mit Kriegsbeginn 1939 wurden die meisten Spieler zur Wehrmacht eingezogen. Viele Grünaer, darunter auch erfolgreiche Fußballer aus der Spielzeit 1936 bis 1938, mussten im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen. Die große Erfolgsgeschichte des Grünaer Fußballsports ging damit zu Ende.

Christoph Ehrhardt, Ortschronist

 

Quellen: Stadtarchiv Chemnitz, Sammlung Hering, Fußballchronik Mappe 5, Chemnitzer Tageblatt von 1937 und weitere Zeitungsdokumente

Anmerkung: Im Beitrag konnte aus der Vielzahl der vorhandenen interessanten Sportberichte und Kommentare nur eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse gebracht werden. Im Grünaer Heimatverein wurde eine Dokumentation über die Entwicklung der Grünaer Fußballmannschaft von 1936 bis 1938, den Verlauf der Spiele wie auch deren Erfolge zusammengestellt, die bei Interesse eingesehen werden kann.

Dieser Arikel stammt aus dem Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach April 2018

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